Newsletter Standardisierung und Erschliessung
Nr. 11, September 2009
Editorial
Zum Herbstbeginn legen wir Ihnen eine neue Ausgabe unseres Newsletters Standardisierung und Erschließung vor. Wie gewohnt, berichten wir über unsere Arbeit, über Projekte und Entwicklungen der vergangenen Monate. In dieser Ausgabe möchten wir Ihre Aufmerksamkeit insbesondere auf das Interview mit Margaret Stewart, der Vorsitzenden des JSC bis 30. Juni 2009, richten.
Wir freuen uns über Ihre Anregungen oder Kommentare an afs@d-nb.de.
Unsere Themen
Symposium "Umstieg auf MARC 21 - MARCing a new landscape in
data exchange"
Bericht von den MARBI-Treffen in Chicago, USA
RDA, FRBR, and FRAD: Making the Connection
Treffpunkt Standardisierung
Looking at the past and preparing for the future
The future is longer than the past: Interview mit Margaret
Stewart
Informationen von der IFLA
Functional Requirements for Subject Authority Data
(FRSAD)
Metadaten: Erweiterung von XMetaDiss zu XMetaDissPlus
Information and documentation - Thesauri and interoperability
with other vocabularies
Entwurf der DIN 31636 zur Umschrift des hebräischen Alphabets
erschienen
5. RSWK-Ergänzungslieferung erschienen
Neue IFLA-Publikationen
Personelles
Symposium "Umstieg auf MARC 21 - MARCing a new landscape in data exchange"
Im Juni 2009 ist das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Projekt "Internationalisierung der deutschen Standards: Umstieg auf MARC 21" zu Ende gegangen, das die Grundlagen für den Umstieg von MAB2 auf MARC 21 in Deutschland und Österreich gelegt hat.
Zum Abschluss des Projekts hat die Deutsche Nationalbibliothek am 2. Juni 2009 ein Symposium "Umstieg auf MARC 21 - MARCing a new landscape in data exchange" durchgeführt. Bei der Veranstaltung haben neben Reinhold Heuvelmann aus der Deutschen Nationalbibliothek, Gabriele Meßmer vom Bayerischen Bibliotheksverbund und Cornelia Katz aus dem Bibliotheksservice-Zentrum Baden-Württemberg, die unmittelbar am Projekt beteiligt waren, auch drei ausgewiesene Experten aus dem internationalen MARC-Umfeld Vorträge gehalten: Sally McCallum von der Library of Congress, Margaret Stewart, die als Mitglied des Canadian Committee on MARC, des MARC Advisory Committee und von MARBI sowie als damalige JSC-Vorsitzende die beiden Aspekte Format und Regelwerk gleichermaßen kompetent vertreten konnte, und Tom Delsey, der Herausgeber der RDA, der auch maßgeblich an der Entwicklung der FRBR beteiligt war und im Rahmen einer Studie für die Library of Congress ein Mapping von MARC 21 auf die FRBR durchgeführt hat.
Die Vortragsfolien der einzelnen Päsentationen sowie Links zu den Videos der Vorträge auf YouTube stehen auf den Webseiten des Projekts zur Verfügung.
Bericht von den MARBI-Treffen in Chicago, USA
Im Rahmen der ALA Annual Conference 2009 vom 9. bis 15. Juli 2009 in Chicago, USA, fanden die Treffen des Machine Readable Bibliographic Information Committee (MARBI) statt.
Die Tagesordnung der MARBI-Treffen umfasste, neben zwei Diskussionspapieren und vier Anträgen zu Details der Formatentwicklung, drei Diskussionspapiere und drei Anträge zu Auswirkungen der RDA auf MARC 21. Ausgiebig diskutiert wurde der Antrag zur Abbildung von RDA-Relationships in MARC 21. Er beschäftigt sich mit der Abbildung der Beziehungen zwischen Werken, Expressionen, Manifestationen und Exemplaren einerseits (Appendix J) und zwischen Personen, Familien und Körperschaften andererseits (Appendix K). Sowohl in MARC Bibliographic (Bereich 76X bis 78X und X00, X10, X11, X30) als auch in MARC Authority (Bereiche 4XX und 5XX) wurden die notwendigen Ergänzungen vorgenommen. Die weiteren Anträge betrafen die Ergänzung des Feldes 490 für die Abbildung mehrerer ISSNs (Reihe und Unterreihe) und die Definition neuer Codes in 007 für RDA carrier types. Sie wurden ebenfalls angenommen.
Bereits zum zweiten Mal in Form eines Diskussionspapiers stand das Thema "Uniform Resource Identifier" (URI) auf der Tagesordnung. Mit Hilfe eines URI im letzten noch zur Verfügung stehenden numerischen Unterfeld $1 sollen verschiedene MARC-21-Inhalte identifiziert werden können. Ein wesentliches Problem ist hierbei, dass in der herkömmlichen MARC-Struktur (ISO 2709) keine eindeutige Zuordnung eines URI zu einem Unterfeld oder zu einer Gruppe von Unterfeldern möglich ist. In MARCXML mit seiner flexibleren Rahmenstruktur können dagegen Attribute und Links zu Formatelementen angegeben werden. Denkbar wäre ein neues Feld für die Angabe von URIs, das, ähnlich wie Feld 880, zur andersschriftlichen Darstellung von Inhalten angelegt sein könnte. Versuchsweise Anwendungen wären hilfreich, um in diesem Bereich Erfahrungen zu sammeln. Es wurde vereinbart, die Fragen weiter zu diskutieren und beim nächsten Treffen erneut als Diskussionspapier vorzulegen.
Die Ergänzung der Felder 033 und 518, die sich in codierter bzw. textlicher Form auf Events beziehen, sollten um den Aspekt erweitert werden, der Ort und Zeit einer (Ton- oder Film-)Aufnahme beschreibt. Zusätzlich wurde angeregt, auch Verknüpfungen hin zum Normdatensatz des Ortes zu ermöglichen. Diese Anregung soll beim nächsten Mal als Antrag eingebracht werden.
Zuletzt wurde das umfangreiche Diskussionspapier besprochen, das sich mit der Ergänzung von MARC Bibliographic und MARC Authority für Werke und Expressionen befasst. Es wurden neue Felder im Bereich 38X vorgeschlagen: für Form, Zeit, weitere Eigenschaften, Medium, Numerische Bezeichnung, und Schlüssel. Nach weiteren Klärungen soll dies als Proposal erneut vorgelegt werden. Die im Januar für die Attribute von Personen, Familien und Körperschaften beschlossenen Felder wurden zur Wahrung der Formatkonsistenz von Feld 62X nach Feld 37X verschoben.
Neben der Teilnahme an den MARBI-Treffen war in Chicago erstmals Gelegenheit, Werbung für die deutschsprachige Ausprägung von MARC 21 zu betreiben. Im Rahmen eines Treffens der "MARC Formats Interest Group" wurden unsere lokalen Elemente und unsere von der angloamerikanischen Praxis abweichenden Entscheidungen unter dem Titel "The German and Austrian Version of MARC 21" vorgestellt und begründet. Neben der Entscheidung für Deutsch als Arbeitssprache wurde auf das detailliertere Modell für die Abbildung von mehrbändig begrenzten Werken eingegangen. Weitere Punkte sind die selbstverständliche Anwendung von Verlinkungen mit Hilfe von Datensatznummern, die Verwendung von ISILs als MARC Organization Codes, die Definition der Elemente der MARC-21-Anwenderebene, die standardgerechte, aber bisher wenig verbreitete Anwendung der Nichtsortierzeichen und der Verzicht auf redundante ISBD-Deskriptionszeichen. Es war eine grundsätzlich offene Haltung für unsere Lösungen zu spüren. OCLC hat angekündigt, eine Reihe der von uns in den letzten Jahren in MARC 21 eingebrachten Formatelemente ab August 2009 zu implementieren und zur Katalogisierung zuzulassen.
Die kontinuierliche Mitarbeit von Reinhold Heuvelmann (DNB) in der RDA/MARC Working Group und im MARC Advisory Committee hat sich bewährt. Durch seine Beteiligung an den Gremien und die Rückkoppelung mit den nationalen Experten- und Arbeitsgruppen ist gewährleistet, dass wir aktuelle Diskussionen und Entscheidungen im Bereich der MARC-Format-Entwicklung mitverfolgen, vor Ort mittragen und zum Zeitpunkt des Entstehens in für uns wichtigen Punkten beeinflussen können.
Das nächste Treffen von MARBI findet während des ALA Midwinter Meetings vom 15. bis zum 19. Januar 2010 in Boston (Massachusetts) statt.
RDA, FRBR, and FRAD: Making the Connection
Einen Tag vor dem Hauptprogramm der ALA Annual Conference in Chicago fand Anfang Juli 2009 die Preconference "RDA, FRBR and FRAD: making the connection" statt, die mit 150 Teilnehmern sehr gut besucht war.
Im ersten Vortrag über die Functional Requirements for Bibliographic Records (FRBR) gab Barbara Tillett (Library of Congress) nicht nur einen Überblick über dieses Modell, sondern stellte auch Anwendungsszenarien vor. Bibliothekskataloge sind darin nicht mehr isolierte Inseln, vielmehr werden bibliografische Daten mehr und mehr in globale Webanwendungen integriert. Sie stellte dabei auch das Konzept "Linked data" vor, ein Ansatz aus dem Bereich des Semantic Web. Mit dieser Methode werden Daten über referenzierbare URIs (Identifier) im Web zur Verfügung gestellt, gegenseitig nutzbar gemacht und miteinander verbunden. Es handelt sich hierbei um einen völlig anderen Verfahrensansatz als den des Austausches von Datensätzen. Barbara Tillett wies in diesem Zusammenhang auch darauf hin, dass man sich für die Zukunft durch die Anwendung der FRBR bessere und komfortablere Bibliothekssysteme erhofft.
Die FRBR stellen ein konzeptionelles Modell dar, das unabhängig von einem bestimmten Katalogisierungsregelwerk zu sehen ist. Erwähnenswert ist jedoch, dass die FRBR-Attribute eine der Grundlagen für die RDA-Elemente sind und ihnen daher entsprechen.
In gegenwärtigen Katalogisierungsprozessen wird meist beim "Item" (Exemplar) begonnen, was bedeutet, dass zuerst die Datenelemente der Manifestation und des Exemplars erfasst werden. Danach werden Normdatensätze für Personen, Körperschaften etc. angelegt, die dann mit den bibliografischen Daten verknüpft werden. Legt man hingegen die FRBR als Prinzip zu Grunde, so kann die intellektuelle Herangehensweise eine andere sein: man beginnt auf der obersten, abstrakten Ebene, d. h. man macht sich zunächst Gedanken über das "Werk" und legt die Daten hierfür fest. Dann fährt man mit der zweiten abstrakten Ebene, der "Expression" ("How is this work expressed?") fort. Schließlich verfeinert man, indem man die Datenelemente der Manifestation und des Exemplars erfasst. Einmal angelegte Werk-Datensätze können dann wie Normdaten nachgenutzt werden.
Die FRBR sind nach Barbara Tillett wie eine neue Brille, mit der man das bibliografische Universum aus einer anderen Perspektive betrachten kann. Ziel ist es, die Ergebnisse aus Katalogisierungsprozessen dem Nutzer noch besser zur Verfügung zu stellen. Laut Barbara Tillett werden die nächsten Jahre eine "Bridge period" zwischen dem alten, traditionellen Ansatz in der Katalogisierung und den neuen Ansätzen in der Erschließung von Ressourcen sein.
In seinem Vortrag "The Entity-Relationship Model" ging Robert Maxwell (Brigham Young University) dann ausführlicher auf die Abbildung des "bibliografischen Universums" in diesem Modell ein. Bereits in den 1970er-Jahren hat Peter Chen das Entity-Relationship-Modell beschrieben. Es dient sowohl in der konzeptionellen Phase der Anwendungsentwicklung der Verständigung zwischen Anwendern und Entwicklern, als auch in der Implementierungsphase als Grundlage für das Design einer relationalen Datenbank. Das ER-Modell ist somit ein Standard für die Datenmodellierung. Im Gegensatz zur "Flat-file-Struktur" von MARC bietet das ER-Modell vielfältigere Möglichkeiten.
Auf die Frage aus dem Publikum, was Ein-Personen-Bibliotheken mit zahlenmäßig kleinen Sammlungen in Zukunft machen sollen, konstatierte Robert Maxwell: "We all will not have small collections because we have access to the internet."
Glenn Patton (OCLC) brachte dem Publikum den Standard FRAD näher. Die FRAD stellen eine Erweiterung des FRBR-Modells um Normdaten dar, die Abkürzung steht für "Functional Requirements for Authority Data". Der Standard ist bereits in Buchform im Verlag K.G. Saur erschienen und soll Ende 2009 auf IFLAnet in digitaler Form öffentlich zur Verfügung gestellt werden. Die FRAD stellen unter anderem dar, wie Normdaten die bibliografische Arbeit unterstützen: bei Entscheidungsprozessen, als Referenzpunkte, als kontrollierte Formen für Sucheinstiege und zur Verlinkung von bibliografischen Daten und Normdaten. Den FRAD liegt ebenfalls das Entity-Relationship-Modell zu Grunde.
Tom Delsey (Ottawa), der Herausgeber der RDA, schlug dann in seinem Vortrag "FRBR and FRAD as implemented in RDA" den Bogen zu den RDA. Er erläuterte, warum die vorgenannten Modelle wichtig sind, und warum sie die Grundlagen der RDA darstellen. Zunächst wies er auf die Probleme mit den AACR in ihrer jetzigen Ausprägung hin. Das Aufkommen völlig neuer Ressourcentypen, die Veränderung unserer Arbeitsumgebungen, das Entstehen neuer, moderner Standards - zusammenfassend gesagt: die dynamische Umwelt, in der wir uns als Bibliotheken behaupten müssen und die Herausforderungen, auf die wir reagieren müssen. Tom Delsey erläuterte, dass wir mit den RDA die Daten dekonstruieren und ein logisches Muster der Datenstrukturen bilden. Das RDA-Element-Set folgt dem DCMI Abstract Model und RDF, unterstützt damit die Semantic-Web-Fähigkeit und ist so kompatibel mit international etablierten Prinzipien, Modellen und Standards. Die RDA sind außerdem in Erschließungscommunitys jenseits von Bibliotheken anwendbar. Ebenso können Bibliotheken, die selbst Archivalien und Museumsobjekte besitzen, die Erschließung dieser unterschiedlichen Ressourcen mit einem Standard durchführen. Die FRBR und die FRAD verbinden alle diese Communitys, womit es einfacher wird, zusammenzuarbeiten, Daten und Informationen auszutauschen und Mehrwert zu generieren, beispielsweise über Linking-Verfahren.
Bei der Beschreibung der RDA Impelementation Scenarios ging das JSC davon aus, dass demnächst immer mehr Bibliotheken auf eine neue Generation von Systemen migrieren werden, die nicht mehr unbedingt MARC-basiert sein werden, sondern Strukturen aufweisen werden, die Entity-Relationship-Modelle abbilden. Da die RDA aber bewusst systemunabhängig gestaltet worden ist, muss es möglich sein, die neuen Regeln auch in unseren gegenwärtigen Systemen anzuwenden und mit unseren gegenwärtigen Datenformaten abzubilden. Genau das soll in dem Test der US-amerikanischen Bibliotheken geprüft werden. Auch Tom Delsey sprach von der "FRBR-Brille", die sich moderne Bibliothekare aufsetzen sollten. Alle vorgenannten Aktivitäten kann man unter dem Motto "Remodelling the bibliographic record for the future" subsumieren.
Jedem Vortrag folgte ein Quiz, um das Gehörte zu vertiefen. Alle Vortragsfolien stehen online zur Verfügung.
Treffpunkt Standardisierung
Seit einigen Jahren führt der Standardisierungsausschuss im Rahmen des Deutschen Bibliothekartags regelmäßig eine Veranstaltung unter dem Namen "Treffpunkt Standardisierung" durch. Während in den vergangenen Jahren jeweils der aktuelle Status der Arbeiten in verschiedenen Bereichen der Standardisierungsarbeit vorgestellt wurde, war der Treffpunkt in diesem Jahr ganz dem Thema "Ein neuer Blick auf Regelwerke" gewidmet.
Zum Auftakt stellte Prof. Heidrun Wiesenmüller (Hochschule der Medien Stuttgart) die FRBR vor, die eine der wichtigen Grundlagen der RDA darstellen und erläuterte einige ihrer Anwendungsmöglichkeiten. Margaret Stewart (Library and Archives Canada), die Vorsitzende des JSC bis Ende Juni 2009, gab in ihrem Beitrag einen Überblick über die verschiedenen Entwicklungsstufen der RDA und den Stand des Regelwerks. Dabei erläuterte sie u. a. auch, warum ein neuer Standard notwendig ist. Christine Frodl (Deutsche Nationalbibliothek) berichtete ausführlich über den Stand der Arbeiten und Überlegungen im deutschsprachigen Raum. Einen völlig anderen Aspekt der Arbeit im Zusammenhang mit dem neuen Regelwerk steuerte Rita Albrecht (Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg in Frankfurt am Main), Vorsitzende des Beirats des NABD und Mitglied des Standardisierungsausschusses, bei. Sie berichtete über die Arbeit des Arbeitsausschuss 1 "Transliteration und Transkription" des Normenausschusses Bibliotheks- und Dokumentationswesen (NABD) beim Deutschen Institut für Normung (DIN), der an Umschriftnormen für verschiedene Alphabete und Zeichen arbeitet.
Mehr als 200 Zuhörerinnen und Zuhörer im voll besetzten Saal bestätigten eindrucksvoll, dass nach wie vor ein großes Interesse an der Standardisierungsarbeit vorhanden ist, und dass auch eine Veranstaltung, die ausschließlich dem Regelwerk gewidmet ist, großen Zuspruch findet. Die Vortragsfolien stehen auf dem OPUS-Server des Berufsverbands Information Bibliothek zur Verfügung.
"Looking at the Past and Preparing for the Future"
Dieses zweitägige Treffen, das als IFLA-Preconference vom 20. bis 21. August 2009 von der Classification and Indexing Section durchgeführt wurde, hielt eine interessante Mischung aus Beiträgen von theoretischen Grundlagen der Wissensorganisation, über derzeitige Katalogisierungspraktiken verschiedener Länder, bis hin zu innovativen Projekten des Web 2.0 bereit.
In vielen Präsentationen wurde deutlich, dass eine der größten Herausforderungen für Inhaltserschließer heute die Gestaltung der Suchoberflächen ist. Es werden viele nützliche und normierte Daten für thematische Recherchen erstellt bzw. auch erfolgreich zwischen verschiedenen Institutionen ausgetauscht. Für den Nutzer stellen sich die Suchergebnisse in den Online-Katalogen jedoch noch immer als unübersichtliche Listen dar, die es gilt, mit geeigneten Navigations- und Filtermenüs in intuitive Webangebote zu verwandeln.
"FRBRisierung" der bibliografischen Daten - klare Erkennbarkeit einzelner Werke und ihrer Ausgaben - mit übersichtlichen Angaben zum Inhalt einschl. direkter Zugänge zu Inhaltsverzeichnissen sowie semantische Navigation sind nur einige Stichworte in diesem Kontext. Alle Vorträge sind online verfügbar.
The future is longer than the past: Interview mit Margaret Stewart
Margaret Stewart, die Vorsitzende des JSC bis 30. Juni 2009, hat während des 98. Deutschen Bibliothekartags in Erfurt einen Vortrag gehalten und am Stand der Deutschen Nationalbibliothek Fragen rund um RDA beantwortet. Am Rande ihres Aufenthaltes in Deutschland haben wir Frau Stewart einige Fragen gestellt. Wir fragten sie unter anderem, warum die Bibliothekswelt auf den neuen Standard RDA wechseln solle. Frau Stewart erläuterte uns, dass sie viele Vorteile sähe, als besonders bedeutend griff sie die zwei folgenden heraus:
"Die Bibliotheks-Community steht in vielen Bereichen vor den Herausforderungen der digitalen Welt und unsere traditionellen Benutzer haben viele Möglichkeiten, ihre Informationsbedürfnisse zu befriedigen. Es war daher klar, dass die RDA und die nach RDA entstandenen Beschreibungen in der Web-Umgebung anwendbar sein müssen.
Eines der Hauptkennzeichen der RDA sind das eindeutig definierte Elemente-Set und die Vokabulare. Diese werden die Verwendung von RDA-Daten in Bibliothekskatalogen ermöglichen und darüber hinaus die Weiterverwertung von RDA-Daten für Retrievaldienste erleichtern, die sowohl von den Bibliotheken als auch der breiteren Metadaten-Community entwickelt werden. Das Ziel der RDA, ein gut strukturiertes Elemente-Set zu definieren, hat Anklang in der Semantic-Web-Community gefunden und zu einer fortlaufenden Zusammenarbeit geführt. Aktuell wird daran gearbeitet, das RDA-Elemente-Set und die Vokabulare in einer Registry verfügbar zu machen, und damit reine Rechner-Applikationen zu erleichtern."
Der zweite Vorteil der RDA, so Margaret Stewart, "ist die Anwendung der FRBR und FRAD als die zugrunde liegende Struktur von RDA. Diese Modelle versorgen die RDA nicht nur mit einer stabilen konzeptionellen Grundlage, sie ebnen auch Systemen den Weg, von den nach RDA erstellten Daten zu profitieren, um den Nutzern aussagekräftigere Anzeigen zu bieten, indem sie verschiedene Formate oder Versionen eines Werkes zusammenführen, und es ihnen ermöglichen, sich mühelos zwischen verwandten Werken zu bewegen."
Für kleinere Bibliotheken und sogar One-Person Libraries, sieht sie zusätzliche Vorteile, beispielsweise durch die Bereitstellung der "RDA als ein anpassungsfähiges, web-basiertes Katalogisierungstool mit der Funktionalität, den Katalogisierungsprozess durch die Einbindung einer schrittweisen Anleitung beim Erstellen eines Datensatzes zu verbessern, mit der Fähigkeit, nur die Regeln anzuzeigen, die sich auf die Kernelemente beziehen, und der Möglichkeit, die RDA in Bibliothekssysteme zu integrieren."
Wir haben Frau Stewart auch gefragt, was sie einer in der Katalogisierung beschäftigten Bibliothekarin oder einem Bibliothekar zur Vorbereitung auf das neue Regelwerk empfiehlt. "Ein guter Einstiegspunkt wäre die Website des JSC. Dort sind einige Dokumente zu finden, die dem Katalogisierer helfen werden, sich mit dem neuen Standard vertraut zu machen. Da die Functional Requirements for Bibliographic Records (FRBR) und die Functional Requirements for Authority Records (FRAD) als konzeptionelle Modelle der RDA dienen, wäre es für den Katalogisierer außerdem nützlich, sich an die Begriffe und die Terminologie der FRBR und der FRAD zu gewöhnen. Es gibt auf der Webseite des JSC zahlreiche Präsentationen zu den RDA und zu den FRBR/FRAD, die bei der Vorbereitung auf die RDA helfen können."
Das vollständige Interview mit Margaret Stewart finden Sie auf unserer Website.
Informationen von der IFLA
Vom 23. bis 27. August 2009 hat in Mailand, Italien, der World Library and Information Congress, die 75. IFLA General Conference and Assembly, stattgefunden. Thema der Veranstaltung in diesem Jahr war: "Libraries create futures: Building on cultural heritage". Einen ausführlichen Bericht über die vielfältigen Aktivitäten und Veranstaltungen der Division IV Bibliographic Control, der Core Activities ICADS und UNIMARC sowie der Information Technology Section im Rahmen der Tagung finden Sie auch in diesem Jahr wieder im Oktoberheft der Zeitschrift "Bibliotheksdienst".
Functional Requirements for Subject Authority Data (FRSAD)
Die IFLA-Arbeitsgruppe FRSAR hat im Juni 2009 den Entwurf der funktionalen Anforderungen an thematische Normdaten vorgelegt. Dieses Modell beschreibt - ergänzend zu den FRBR und FRAD - eine international gültige Struktur für alle Daten, die Themen eines Werkes beschreiben. Marcia Zeng (Kent State University) und Maja Zumer (University of Ljubljana) erläuterten auf dem IFLA-Weltkongress in Mailand im August 2009 in ihrem Vortrag "Die Einführung von FRSAD und das Mapping zu SKOS und anderen Modellen" den aktuellen Stand. Eine revidierte Fassung des konzeptionellen Modells ist für November 2009 angekündigt.
Metadaten: Erweiterung von XMetaDiss zu XMetaDissPlus
XMetaDiss wird als Metadatenformat für die Ablieferung von Online-Hochschulschriften, zurzeit beschränkt auf Dissertationen und Habilitationen, an die Deutsche Nationalbibliothek verwendet. Auf Hochschulschriftenservern und in Repositorien befinden sich aber weitere Dokumenttypen, wie zum Beispiel Zeitschriftenaufsätze, Konferenzbeiträge oder Festschriften. Der Umfang von XMetaDiss reicht nicht aus, um die Metadaten dieser Dokumenttypen auszutauschen, daher ist eine Erweiterung zu XMetaDissPlus erforderlich, um diese Publikationstypen darstellen zu können.
Zur Erweiterung und Überarbeitung von XMetaDiss zu XMetaDissPlus hat am 22. Juli 2009 ein Gespräch mit Vertretern des Bibliotheksservice-Zentrums Baden-Württemberg, (BSZ) stattgefunden. Die besprochenen Veränderungen werden in die verschiedenen Gremien (DINI-AG Elektronisches Publizieren, Arbeitsgruppe in der Sektion IV des DBV, DissOnline) transportiert.
Derzeit erstellt die Deutsche Nationalbibliothek eine Referenzbeschreibung für XMetaDissPlus, die sowohl die oben beschriebene Erweiterung als auch Lösungen für VG-WORT-Zählpixel und die Identifikation des Erstkatalogisats beinhaltet.
Information and documentation - Thesauri and interoperability with other vocabularies
Ein neuer internationaler Standard "Information and documentation - Thesauri and interoperability with other vocabularies" (ISO 25964) ist in Vorbereitung. "Part 1: Thesauri for information retrieval" wurde Mitte August 2009 als DIS 25964-1 im ISO Central Secretariat eingereicht. Mit der Arbeit an "Part 2: Interoperability with other vocabularies" wurde Ende Juni 2009 begonnen. Dabei sollen Richtlinien erarbeitet werden, um die Interoperabilität zwischen Thesauri und anderen Vokabularien wie Normdateien für Namen, Schlagwortlisten, Ontologien, Klassifikationen und dgl. zu gewähren. Der erste Commitee Draft (CD 25964-2) ist für Juni 2010 geplant. Eine Arbeitsgrundlage dafür ist der Britische Standard "BS8723-4 Structured vocabularies for information retrieval - Guide - Part 4: Interoperability between vocabularies".
Entwurf der DIN 31636 zur Umschrift des hebräischen Alphabets erschienen
Am 20. Juli 2009 wurde der Entwurf für eine Neuausgabe der "DIN 31636 - Information und Dokumentation - Umschrift des hebräischen Alphabets" vom zuständigen Arbeitsausschuss des Normenausschusses Bibliotheks- und Dokumentationswesen (NABD) im DIN veröffentlicht. Das öffentliche Stellungnahmeverfahren zu dem Entwurf endet am 30. September 2009; ein Formular zur Abgabe von Kommentaren findet sich auf der Website des DIN.
Die Neufassung der DIN 31636 soll nach ihrer Fertigstellung die Ausgabe aus dem Jahr 2006 ersetzen. Diese entsprach nicht mehr den strukturellen und inhaltlichen Anforderungen an Normen, die der Arbeitsausschuss und das DIN sich selbst gegeben haben; zudem waren einige Fehler zu korrigieren. Am Kern der Norm - den eigentlichen Umschriftvorgaben für hebräische Buchstaben einschließlich Ivirit und Jiddisch - hat sich nichts verändert, es wurden aber für sämtliche hebräischen Zeichen die Unicode-Werte ergänzt, was die Anwendung der Norm erleichtern soll. Hinweise zur deutschen Aussprache hingegen werden in sämtlichen Umschriftnormen des NABD nicht mehr mitgeführt und folgerichtig auch im Entwurf der DIN 31636 entfernt.
Der Normentwurf kann über den Beuth-Verlag als Druckausgabe oder als E-Book zum Preis von EUR 56,10 bezogen werden.
5. RSWK-Ergänzungslieferung erschienen
Die Deutsche Nationalbibliothek hat die 5. RSWK-Ergänzungslieferung zur 3., überarbeiteten und erweiterten Auflage der "Regeln für den Schlagwortkatalog (RSWK)" veröffentlicht. Diese Ergänzungslieferung steht in elektronischer Form kostenfrei zur Verfügung.
Die Ergänzungslieferung enthält u. a. Änderungen an § 306a (hier wird zukünftig der Bereich der biologischen Nomenklatur auch durch die Vergabe von Oberbegriffen in das hierarchische Netz eingebunden), § 418.3 (Fortfall der Ausnahmeregelungen für Rechtsnormen und wissenschaftliche Werke) sowie redaktionelle Anpassungen auf Grund früherer RSWK-Änderungen.
Gleichzeitig wurde auch die Gesamtausgabe der RSWK in elektronischer Form auf den Stand der 5. Ergänzungslieferung gebracht. Diese Ausgabe ist ebenfalls über die Website der DNB zugänglich.
Sie können auch eine Papierausgabe des Grundwerks der 3. Auflage der "Regeln für den Schlagwortkatalog" plus Ergänzungslieferungen beziehen.
Neue IFLA-Publikationen
Beim World Library and Information Congress, der 75. IFLA Generalkonferenz, die vom 23. bis 27. August 2009 unter dem Motto "Libraries create futures: Building on cultural heritage" in Mailand stattgefunden hat, wurden auch in diesem Jahr wieder einige neue IFLA-Publikationen vorgestellt. Hier eine kleine Auswahl:
"IFLA Cataloguing Principles": Statement of International Cataloguing Principles (ICP) and its Glossary: Dieses Buch beschreibt die Prozesse und Diskussionen, die zur Formulierung der Internationalen Katalogisierungsprinzipien im digitalen Zeitalter geführt haben. Das Statement sowie das zugehörige Glossar sind dort in insgesamt 20 Sprachen abgedruckt.
"Guidelines for Multilingual Thesauri": Die Richtlinien für die Erarbeitung multilingualer Thesauri bzw. für das Verlinken verschiedensprachiger Thesauri sind von der IFLA-Arbeitsgruppe der Sektion Klassifikation und Indexierung in den letzten Jahren erarbeitet worden und 2009 erschienen. Sie nehmen Bezug auf aktuelle internationale Thesaurus-Normen.
"National Bibliographies in the Digital Age: Guidance and New Directions": Das Aufkommen des World Wide Web sowie das in der Folge starke Anwachsen digitaler Publikationen führten zu der Notwendigkeit, auch die Nationalbibliografien in einem neuen Licht zu betrachten. Die Bibliography Section der IFLA legt mit diesem Band nach mehrjähriger Diskussion eine Reihe neuer Richtlinien für Nationalbibliografien vor.
Personelles
Sarah Hartmann ist seit Juli 2009 innerhalb der Arbeitsstelle
für Standardsisierung für den Bereich Metadaten zuständig. Sie
vertritt damit auch zusammen mit Uwe Janssen und Manfred
Gravelius, die deutsche ONIX-Gruppe im ONIX for Books
International Steering Committee.
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ISSN 1862-5959
http://www.d-nb.de/standardisierung/afs/newsletter.htm
Herausgeber:
Deutsche Nationalbibliothek, Arbeitsstelle für Standardisierung,
Adickesallee 1, 60322 Frankfurt am Main
Für Fragen und Anregungen an die Redaktion wenden Sie sich bitte an: afs@d-nb.de.
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