Newsletter Standardisierung und Erschließung
Nr. 5, August 2007
Editorial
Heute erhalten Sie die neue Ausgabe des Newsletters Standardisierung und Erschließung. Auch diesmal erwarten Sie aktuelle Informationen aus den Bereichen Standardisierung und Erschließung.
Wir freuen uns auf Ihre Anregungen oder Kommentare: afs@d-nb.de.
Unsere Themen
Umstieg auf MARC 21
Internationaler Workshop "MARC 21 - Experiences, Challenges and
Visions"
Neue Entwicklungen der Resource Description and Access
(RDA)
RDA und Dublin Core
Neuer Internetauftritt des Kompetenzzentrums Interoperable
Metadaten (KIM)
Deutsche Übersetzung des Dublin Core Metadata Element Set
1.1
5. IFLA Meeting of Experts on an International Cataloguing Code
in Pretoria, Südafrika
IFLA-CDNL Alliance beim World Library and Information Congress in
Durban, Südafrika
Aus der Sitzung des Standardisierungsausschusses
Neuordnung der Expertengruppen
Personelles
Umstieg auf MARC 21
Wie bereits in der letzten Ausgabe des Newsletters angekündigt, wurde dem für die Pflege und Weiterentwicklung von MARC 21 verantwortlichen Machine Readable Bibliographic Information Committee (MARBI) für seine Sitzung im Juni ein Antrag mit Änderungswünschen an MARC 21 vorgelegt. Bei der Sitzung vom 23. - 25. Juni in Washington, D.C. hat Reinhold Heuvelmann, der Formatexperte der Deutschen Nationalbibliothek, den Antrag vertreten. Dabei wurde erfreulicherweise - mit einer Ausnahme - allen Vorschlägen zur Änderung des Formats zugestimmt. Dies ist als ein großer Erfolg für die deutschsprachige Community zu werten, der uns dem Ziel des Formatumstiegs wieder einen Schritt näher gebracht hat. Die Ergebnisse aus der Sitzung werden in die Konkordanz MAB - MARC 21 eingearbeitet, die auf der Website der Deutschen Nationalbibliothek zur Verfügung steht. Dort ist auch ein Link zum Antrag an MARBI (Proposal) zu finden.
Internationaler Workshop "MARC 21 - Experiences, Challenges and Visions"
Die Deutsche Nationalbibliothek hat am 14. und 15. Mai 2007 in Frankfurt am Main einen internationalen Workshop "MARC 21 - Experiences, Challenges and Visions" durchgeführt. Rund 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Deutschland, Österreich und vielen Staaten Europas nutzten die Gelegenheit zu einem Erfahrungsaustausch mit Kolleginnen und Kollegen aus Ländern, die bereits auf MARC 21 umgestiegen sind bzw. einen Umstieg planen. Gleichzeitig wurden aber auch praktische Fragen (Behandlung von Normdaten und Klassifikationsdaten innerhalb von MARC 21) und zukünftige Entwicklungen (u. a. FRBR) thematisiert. Die Vorträge stehen auf der Website der Deutschen Nationalbibliothek zur Verfügung.
Am 26. September 2007 veranstaltet die Deutsche Nationalbibliothek einen MARC-21-Workshop für die Hersteller von Bibliothekssystemen.
Neue Entwicklungen der Resource Description and Access (RDA)
Das Stellungnahmeverfahren zum überarbeiteten RDA-Kapitel 3, Part A, das sich mit Informationen zum Träger ("carrier") befasst, endete am 16. Juli 2007. Die Arbeitsstelle für Standardisierung hat eine Stellungnahme aus dem deutschsprachigen Raum abgeben, in die Beratungsergebnisse aus den vorangegangenen Expertengruppensitzungen eingeflossen sind.
Eine Antwort des Joint Steering Committee for Development of RDA auf die letztjährige Stellungnahme zu RDA-Kapitel 3 steht auf der Website der Deutschen Nationalbibliothek zur Verfügung. Wir freuen uns, dass Vorschläge aus unserer Stellungnahme in das überarbeitete Kapitel 3 Eingang gefunden haben. So ist z.B. "content type" (4.2) nunmehr ebenso wie "carrier type" (3.3) ein Pflichtelement.
Das Joint Steering Committee hat am 18. Juni 2007 den überarbeiteten Entwurf der Kapitel 6 und 7, Part A, veröffentlicht. In diesen Kapiteln geht es um die Beziehungen von Personen, Familien und Körperschaften zu Ressourcen (Kapitel 6) sowie um Beziehungen zwischen Ressourcen (Kapitel 7).
Die Reihenfolge der beiden Kapitel wurde im Vergleich zum letztjährigen Entwurf getauscht. Kapitel 6 enthält nunmehr keine Regelungen mehr zur Haupteintragung; diese Regelungen werden erst in Kapitel 13, Part B, zusammen mit anderen Ansetzungsregeln folgen. Einzelabschnitte des Kapitels 6 sind jetzt nach den Entitäten der Gruppe 1 der FRBR (Werk, Expression, Manifestation, Exemplar) geordnet.
Kapitel 7 ordnet erst in zweiter Ebene nach diesen Entitäten. Eine Einordnung in ein Modell verschiedener Beziehungsarten geht voran. Beispiele hierfür sind etwa äquivalente oder sequenzielle Beziehungen.
Die Arbeitsstelle für Standardisierung wird zusammen mit den Expertengruppen des Standardisierungsausschusses eine Stellungnahme erarbeiten. Im Juli und August haben zwei Expertengruppen-Sitzungen stattgefunden. Das Stellungnahmeverfahren endet am 17. September.
Insgesamt befindet sich die RDA-Entwicklung im Zeitplan. Als nächster Entwurf werden im Dezember 2007 die wichtigen Ansetzungsregeln, Part B, erwartet.
RDA und Dublin Core
Am 30. April und 1. Mai 2007 fand in der British Library in London ein Treffen zwischen Vertretern des JSC und der Dublin Core Metadata Initiative unter der Überschrift "Data Model Meeting" statt. Dabei ging es in erster Linie darum, zu prüfen, inwieweit RDA und Modelle, die in anderen Metadaten-Communities Anwendung finden, zueinander passen. Teilnehmer waren Tom Baker, Robina Clayphan, Tom Delsey, Gordon Dunsire, Diane Hillmann, Alistair Miles, Mikael Nilsson, Andy Powell und Barbara Tillett.
Die Teilnehmer kamen zu dem Ergebnis, dass RDA und DCMI zusammenarbeiten sollten, um auf die in beiden Communities erarbeiteten Konzepte aufbauen und voneinander profitieren zu können. Das RDA Committee of Principals und DCMI sollten mit Hilfe finanzieller Unterstützung ein RDA Application Profile erarbeiten und vor allem folgende Aufgaben bearbeiten:
- Entwicklung eines RDA Element Vocabulary
- Entwicklung eines RDA DC Application Profile basierend auf FRBR und FRAD
- Publikation von RDA Value Vocabularies auf Basis von RDF / RDFS / SKOS
Von diesen Aktivitäten sollen Vorteile für alle Beteiligten ausgehen: Die Bibliotheks-Community erhält einen Metadatenstandard der sowohl web-kompatibel ist als auch völlige Interoperabilität zu weiteren Semantic-Web-Inititativen bietet. Die Dublin-Core-Community erhält ein Anwendungsprofil für Bibliotheken, das auf dem Dublin-Core-Abstraktmodell und den Functional Requirements for Bibliographic Records (FRBR) basiert, und richtungweisend sein kann. Die Semantic-Web-Community erhält einen bedeutenden Pool an wertvollen (Norm-)daten zur Einbindung und Weiternutzung. Und schließlich erfahren die RDA eine breitere Akzeptanz.
Die Vorsitzende des JSC hat auf der RDA-Diskussionsliste betont, dass der Zeitplan zur Veröffentlichung der RDA von diesen Aktivitäten nicht berührt ist.
Neuer Internetauftritt des Kompetenzzentrums Interoperable Metadaten (KIM)
Das Kompetenzzentrum Interoperable Metadaten (KIM) hat seit dem 28. Juni 2007 einen Internetauftritt. KIM ist eine Informations- und Kommunikationsplattform für Metadatenanwender und -entwickler zur Verbesserung der Interoperabilität von Metadaten im deutschsprachigen Raum. KIM unterstützt und fördert die Erarbeitung von Metadatenstandards, die interoperable Gestaltung von Formaten und damit die optimale Nutzung von Metadaten in digitalen Informationsumgebungen mittels Lehrmaterialien, Schulungen und Beratungen. Zudem informiert KIM über die anwendungsübergreifende Integration von Metadaten und nationale und internationale Metadatenstandards.
Langfristiges Ziel ist die Etablierung von KIM als DCMI-Affiliate für den deutschsprachigen Raum (Deutschland, Österreich, Schweiz), um so die Interessen von Forschung, Behörden und Industrie in den Gremien der Dublin Core Metadata Initiative zu vertreten.
KIM wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert. Projektpartner ist neben der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen (Gesamtprojektleitung) die Deutsche Nationalbibliothek.
Deutsche Übersetzung des Dublin Core Metadata Element Set 1.1
Das Kompetenzzentrum Interoperable Metadaten (KIM) hat kurz vor der Dublin-Core-Konferenz, die vom 27. - 31. August 2007 unter dem Thema "Application Profiles and their Application in Practice" in Singapur stattfindet, eine aktualisierte deutsche Übersetzung des Dublin Core Metadata Element Set, Version 1.1 (DCMES 1.1) vorgelegt.
5. IFLA Meeting of Experts on an
International Cataloguing Code in Pretoria, Südafrika
Vom 14. - 15. August 2007 hat das 5. und damit letzte IFLA Meeting of Experts on an International Cataloguing Code (IME ICC) für die afrikanischen Staaten südlich der Sahara in der National Library of South Africa in Pretoria stattgefunden. 28 Katalogisierungsspezialisten aus 10 Ländern haben an dieser Veranstaltung teilgenommen, dazu 6 Mitglieder der IFLA Cataloguing Section. Die meisten der afrikanischen Staaten wenden gegenwärtig entweder die Anglo-American Cataloguing Rules (AACR), die französischen Regeln der AFNOR (Association française de normalisation) oder die International Standard Book Description (ISBD) an.
Wie bei den vorherigen Expertentreffen (2003 in Frankfurt am Main für Europa, 2004 in Buenos Aires für Lateinamerika und die Karibik, 2005 in Kairo für den Nahen Osten, 2006 in Seoul für Asien) haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in 5 Arbeitsgruppen über die verschiedenen Aspekte neuer Katalogisierungsprinzipien diskutiert. Der mit allen IME-ICC-Teilnehmerinnen und -Teilnehmern abgestimmte Entwurf des Statement of principles soll in ein weltweites Stellungnahmeverfahren eingebracht und bei einer weiteren Veranstaltung im Umfeld des nächsten World Library and Information Congress in Québec City, Kanada, verabschiedet werden. Daran anschließend ist eine Veröffentlichung geplant.
IFLA-CDNL Alliance for Bibliographic
Standards beim World Library and Information Congress in Durban,
Südafrika
Die IFLA-CDNL Alliance for Bibliographic Standards (ICABS) hat
sich mit mehreren Veranstaltungen am World Library and
Information Congress in Durban, Südafrika, beteiligt. In der
Veranstaltung "Libraries contributing to web 2.0" wurden in drei
Vorträgen verschiedene Projekte und Dienste vorgestellt, wie
Bibliotheken den neuen Benutzeranforderungen gerecht werden
können. Daneben hat ICABS eine gemeinsame Veranstaltung mit der
National Library Section und der Information Technology Section
durchgeführt. Unter dem Titel "National libraries and resource
discovery strategies - local, national and global" wurde über die
Strategien der British Library und der National Library of
Australia berichtet, außerdem gab es einen Vortrag über die
European Digital Library als Strategie zur Ressourcenermittlung
für den Bereich der Bibliotheken, Archive und Museen sowie einen
Beitrag über die Möglichkeiten, Benutzer in die Erstellung von
Bibliotheks-Content einzubeziehen. Beide Veranstaltungen waren
gut besucht und sind auf gute Resonanz gestoßen.
Die IFLA Core Activity UNIMARC, die ihrerseits ebenfalls
ICABS-Partner ist, hat eine Veranstaltung unter dem Titel
"UNIMARC in a changing information environment" angeboten.
Aus der Sitzung des Standardisierungsausschusses
Am 5. Juni 2007 hat der Standardisierungsausschuss sich zu
seiner 14. Sitzung in der Deutschen Nationalbibliothek getroffen.
Themen waren neben der Neuordnung der Expertengruppen in erster
Linie der Stand der Umsetzung der Beschlüsse des
Standardisierungsausschusses zur Internationalisierung der
deutschen Standards. Dabei wurde über den Fortgang der Projekte
Umstieg auf MARC 21, die Internationalisierung des Regelwerks
sowie die Weiterentwicklung der Normdaten berichtet. Das
verabschiedete Protokoll steht auf den Webseiten der Deutschen
Nationalbibliothek zur Verfügung.
Die 15. Sitzung des Standardisierungsausschusses findet am 28. November 2007 statt.
Neuordnung der Expertengruppen
Der Standardisierungsausschuss hat in seiner 14. Sitzung einstimmig ein Konzept zur Neuordnung der Expertengruppen beschlossen. Dieses Konzept sieht vor, ab 2008 für zunächst eine Amtszeit, d.h. bis 2010, vier Expertengruppen zu benennen: Formalerschließung, Sacherschließung, Normdaten und Datenformate.
Da in der gegenwärtigen Phase der Internationalisierung der Regelwerke eine Vielzahl unterschiedlicher, expertengruppenübergreifender Themen zu bearbeiten ist, die eine enge Zusammenarbeit aller Beteiligten erfordert, können expertengruppenübergreifende Kooperationen ausgebaut werden, wie sie bereits bei den Projekten perso, gkr und gnd bestehen und sich bewährt haben. Diese Arbeitsgruppen sollten mit Experten der jeweiligen Gebiete besetzt werden, die von den Mitgliedern des Standardisierungsausschusses benannt werden, aber nicht zwingend Mitglied einer der Expertengruppen sein müssen. Zur Bearbeitung von spezifischen Einzelthemen können die Expertengruppen auch kleinere Ad-hoc-Arbeitsgruppen aus ihrem Kreis bilden. Nach Vorliegen erster Erfahrungen soll 2009 eine Evaluierung erfolgen.
Abgelehnt hat der Standardisierungsausschuss einen Antrag zur Errichtung einer Expertengruppe Recherche. Zwar waren sich die Mitglieder einig, dass das Thema "Recherche" eine wichtige Aufgabe darstellt, das starre Konzept der Expertengruppen des Standardisierungsausschusses aber für eine solche Gruppe nicht geeignet sei. Alternativ werden die Arbeitsgemeinschaft der Verbundsysteme die bisherigen Indexierungssysteme auf ihre Tauglichkeit zur OPAC-Indexierung zu überprüfen. Darüber hinaus soll ein interdisziplinärer Workshop stattfinden, der sich mit allen Aspekten der Recherche beschäftigen und Empfehlungen für die weitere Arbeit vorlegen soll.
Der Standardisierungsausschuss hat einstimmig abgelehnt, die Beschränkung der Amtszeit von Expertengruppen auf zwei Amtszeiten aufzuheben und betont, dass die in der Geschäftsordnung verankerte Ausnahmeregelung ausreichend ist.
Personelles
Seit 1. Juni 2007 verstärkt Frau Renate Behrens-Neumann das Team der Arbeitsstelle für Standardisierung. Zum 1. September übernimmt sie dabei auch das Sekretariat der Arbeitsgemeinschaft der Verbundsysteme an der Deutschen Nationalbibliothek.
Birgit Schneider, die Direktorin der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig und ständige Vertreterin der Generaldirektorin, starb plötzlich und völlig unerwartet am 19. Juli 2007, kurz vor ihrem 53. Geburtstag. Neben vielen anderen Aufgaben hat Birgit Schneider auch die Leipziger Sacherschließungsabteilung geleitet. Mit Birgit Schneider haben wir eine Kollegin von großer Fröhlichkeit, Gelassenheit, Aufrichtigkeit, gesundem Menschenverstand und Natürlichkeit verloren, die wir als Persönlichkeit wie als Fachfrau in guter Erinnerung behalten werden.
Magda Heiner-Freiling, die Leiterin der Abteilung Sacherschließung am Frankfurter Standort der Deutschen Nationalbibliothek, ist am 22. Juli 2007 im Alter von 57 Jahren während ihres Urlaubs tödlich verunglückt. Sie wird in unserer Erinnerung weiterleben als Kollegin, deren enormes Fachwissen wir ebenso schätzten wie ihre warmherzige Sorge um das Wohlergehen ihrer Kollegen und Mitarbeiter.
Druckversion (pdf)
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http://www.d-nb.de/standardisierung/afs/newsletter.htm
ISSN 1862-5959
Herausgeber:
Deutsche Nationalbibliothek, Arbeitsstelle für Standardisierung,
Adickesallee 1, 60322 Frankfurt am Main
Für Fragen und Anregungen an die Redaktion wenden Sie sich bitte an: afs@d-nb.de.
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