Newsletter Standardisierung und Erschließung
Nr. 2, Juni 2006
Editorial
Heute erhalten Sie die zweite Ausgabe des neuen "Newsletter Standardisierung und Erschließung" mit aktuellen Informationen aus dem Bereich der Standardisierung und Erschließung. Das Spektrum der Themen dieser Ausgabe ist weit gefasst, und von dem sprichwörtlichen Sommerloch kann nicht die Rede sein. Neben Informationen über die Entwicklung von RDA und dem Stand der Internationalisierung der deutschen Regelwerke berichten wir u. a. von den Sitzungen des Standardisierungsausschusses und seiner Expertengruppen.
Wir freuen uns auf Ihre Anregungen oder Kommentare: afs@ddb.de.
Unsere Themen
Entwicklung der Resource Description and Access (RDA)
Einführung der ISBD(CR)-Splitregeln für fortlaufende
Sammelwerke
GKR: Gemeinsame Ansetzungsregeln für Körperschaften der Formal-
und Sacherschließung
Praxisregeln zur Individualisierung von Personennamen
Transliteration der hebräischen Buchstaben
12. Sitzung des Standardisierungsausschusses
Neues aus den Expertengruppen
Sitzung der Study Group on Future Directions of ISBD im April
2006 in Frankfurt am Main
Revision der ISBD(A)
Memorandum zur Langzeitverfügbarkeit digitaler Ressourcen in
Deutschland
Treffpunkt Standardisierung beim 95. Deutschen Bibliothekartag
in Dresden
Bericht vom Hessischen Bibliothekstag in Fulda
Bericht von der Konferenz UNIMARC & Friends
Vorschau auf die IFLA in Seoul
Evaluierung von ICABS
Personelles
Entwicklung der Resource Description and Access (RDA)
Das Joint Steering Committee on Revision of AACR hat Ende April 2006 in Ottawa getagt. Eine Zusammenfassung der Sitzungsergebnisse steht auf der Website des JSC zur Verfügung. Dort soll auch das Protokoll der Sitzung veröffentlicht werden. Bisher waren die Protokolle des JSC nicht öffentlich.
Eine wichtige Entscheidung des JSC betrifft die Struktur der RDA. Die bisherige Aufteilung in Part I (Resource Description), Part II (Relationships) und Part III (Access Point Control) wird zugunsten von zwei Teilen aufgegeben. Part A wird die bisher geplanten Parts I und II umfassen; Part B wird Access Point Control abdecken.
Dies ist eine Reaktion auf Stellungnahmen, dass die Unterscheidung zwischen reinen beschreibenden und reinen Zugangs-Elementen nicht notwendig ist. Das JSC hat auch auf Stellungnahmen reagiert, dass die bisherigen Elemente die Beziehungen untereinander nicht ausdrücken. Beziehungen sollen durch Elemente mit "sub-types" (Beispiel: Paralleltitel als sub-type von Titel) und "sub-elements" (Beispiel: Ausgabenbezeichnung als sub-element von Ausgabe) ausgedrückt werden. Die Arbeitsstelle für Standardisierung hat eine Zwischennachricht erhalten, dass das JSC auf die von ihr abgegebene Stellungnahme antworten wird.
Bei Fußnoten (notes) soll klarer herausgestellt werden, dass diese sich auf andere Elemente beziehen und Zusatzinformationen enthalten.
Die Unterscheidung von Pflicht-Elementen (mandatory) und Elementen, die Pflicht sind, wenn sie zutreffen (mandatory if applicable), soll klarer gefasst und im Text entsprechend gekennzeichnet werden. Mit der Integration der früher geplanten Parts I und II in einen Part A wird auch eine Übersicht über diese Gruppen hinzukommen. Alle anderen Elemente werden als optional gekennzeichnet. Die im Entwurf enthaltene Option, anstelle der Verfasserangabe Normdaten-Sucheinstiege anzugeben, wird bleiben.
Der Zeitplan ist den Parts A und B entsprechend angepasst worden. Der nächste Entwurf wurde früher als bisher angekündigt bereits am 20. Juni (und nicht erst im Juli) für das Stellungnahmeverfahren bereit gestellt und enthält den Entwurf von RDA Part A, Kapitel 6 – 7 zu "Relationships" (früher: Part II). Der Informationstext "Prospectus" wurde ebenfalls überarbeitet und bereit gestellt; der Text stellt die geänderte Struktur detaillierter vor. Die Abgabefrist für die Stellungnahme zu den Entwürfen der Kapitel 6 und 7 ist der 1. September 2006.
Die Arbeitsstelle für Standardisierung sichtet und kommentiert gemeinsam mit den Expertengruppen des Standardisierungsausschusses den Entwurf und steht für Rückfragen gerne zur Verfügung.
Einführung der ISBD(CR)-Splitregeln für fortlaufende Sammelwerke
Der Standardisierungsausschuss hat die Einführung der ISBD(CR)-Splitregeln für fortlaufende Sammelwerke beschlossen und in einem Umlaufverfahren im Frühjahr 2006 der Veröffentlichung und baldigen Anwendung der dafür notwendigen Änderungen in den „Regeln für die alphabetische Katalogisierung (RAK)“ und den „Format und Konventionen für die Zeitschriften-Titelaufnahme in der Zeitschriftendatenbank (ZETA)“ zugestimmt.
Veröffentlichung
Die notwendige Änderung des § 113,3 in den
RAK-WB
und in den
RAK-NBM
wurde von Der Deutschen Bibliothek zum 1. Juni 2006 in
elektronischer Form veröffentlicht.
Die notwendige Änderung der ZETA-Splitregeln E 221 wurde zeitgleich von der Staatsbibliothek zu Berlin auf der Homepage der Zeitschriftendatenbank in elektronischer Form veröffentlicht.
Weitere ZETA-Regeln, die aufgrund der geänderten Splitregeln ebenfalls angepasst werden müssen, wurden ebenfalls zum 1. Juni 2006 auf der Website der Zeitschriftendatenbank unter „ZDB Aktuell“ zur Verfügung gestellt: B 4000, B 4213 und B 4244. Ein weiteres Unterlagenpaket, das auch Geschäftsgangsregelungen für die ZDB und Beispiele für die Veränderungen enthält, soll am 1. September 2006 zur Verfügung gestellt werden.
Anwendung
Die ZDB hat angekündigt, die Splitregeln zum 1. Januar 2007
anzuwenden. Dieser Termin wurde gewählt, um ausreichend Zeit
für die Vorbereitung und Durchführung verbundinterner
Schulungen einzuräumen und Regelungen für den Umgang mit
Altdaten vorzubereiten.
Hintergrund
Die Einführung der ISBD(CR)-Splitregeln ist eine der Maßnahmen,
die vom Standardisierungsausschuss und der Arbeitsgemeinschaft
der Verbundsysteme Ende 2004 nach Abschluss des Projektes „
Umstieg auf internationale Formate und Regelwerke (MARC21,
AACR2)“ beschlossen wurden. Die International Standard
Bibliographic Description for Serials and Other Continuing
Resources (ISBD(CR)) wurde 2002 in einer revidierten Fassung
veröffentlicht; ihre in mehrjähriger internationaler
Harmonisierungsarbeit zwischen ISBD-, ISSN- und AACR-Gremien
entstandenen Splitregeln werden weltweit angewendet. Mit der
Einführung auch in Deutschland und Österreich kann nun eine
Anwendungslücke geschlossen werden, die hinderlich für
Datentausch und Zusammenarbeit auf internationaler Ebene
war.
„Continuing resources“, im RAK-Jargon „fortlaufende Sammelwerke“, umfassen nicht nur Zeitschriften, Zeitungen, Jahrbücher, sondern auch Schriftenreihen. Die ISBD(CR)-Splitregeln sehen für Print- und elektronische Publikationen einheitliche Regeln vor.
Eine Arbeitsgruppe, in der Vertreter der Expertengruppe Formalerschließung, der Zeitschriftendatenbank, der Arbeitsgemeinschaft der Datenbankteilnehmer der ZDB (AGDBT) und der Arbeitsstelle für Standardisierung mitwirkten, erarbeitete 2005 im Auftrag des Standardisierungsausschusses unter Einbeziehung bereits vorhandener Unterlagen und Vorschläge anwendungsfähige Ergebnisse. Hierzu wurden Monografien-Fachleute einbezogen und die Vorschläge mit den Verbünden rückgekoppelt. Allen Beteiligten danken wir für ihre Mitwirkung.
GKR: Gemeinsame Ansetzungsregeln für Körperschaften der Formal- und Sacherschließung
Das GKR-Projekt („Gemeinsame Ansetzungsregeln für Körperschaften der Formal- und Sacherschließung“), das als ein gemeinschaftliches Projekt der Arbeitsstelle für Standardisierung und der Expertengruppen GKD, RSWK/SWD und Formalerschließung bereits seit dem letzten Jahr durchgeführt wird, steht vor einem wichtigen Meilenstein: die Festlegung, welche Entitäten als Körperschaften behandelt werden sollen, steht kurz vor dem Abschluss.
Das GKR-Projekt hat die Zielsetzung, gemeinsame Körperschaft-Ansetzungsregeln für Formal- und Sacherschließung zu erarbeiten und einzuführen. Sie sollen in enger Verbindung mit den RDA (Resource Description and Access) - den sich der internationalen Anwendung öffnenden Nachfolgeregeln zu den AACR - entwickelt werden und einfache, benutzerfreundliche und Retrieval-gerechte Ansetzungen vorsehen, die auch im Erschließungsprozess leicht zu handhaben sind.
Der Projektplan sieht vor, dass die Ausgangsregelwerke RAK-WB, RSWK und AACR2 in ihren Bestimmungen für Körperschaften, Geografika/Gebietskörperschaften und Kongresse miteinander verglichen werden. In den Vergleich werden über die Regelwerke selbst hinaus auch deren Ausführungsbestimmungen – Praxisregeln – und die Praxis in den Normdateien GKD, SWD und LCNAF (Library of Congress Name Authority File) sowie LCSH (Library of Congress Subject Headings) einbezogen. In aufeinander aufbauenden Arbeitspaketen werden die Bereiche Entitätenbestimmung (Definition), Namensbestimmung, Bestimmung identifizierender Merkmale und zuletzt Bestimmung der Ansetzungs- und Anzeigeformen behandelt.
Im Arbeitspaket Entitäten wurden nun die von der Projektgruppe für die Teilbereiche Körperschaften, Geografika/Gebietskörperschaften und Kongresse erarbeiteten Vorschlagspapiere den beteiligten Expertengruppen zur Beschlussfassung im schriftlichen Verfahren vorgelegt. Neben den Beschlussvorschlägen enthalten die drei Papiere jeweils einen umfangreichen Regelvergleich mit Begründungen der jeweiligen Vorschläge.
Auf der gemeinsamen Sitzung der Expertengruppen GKD und RSWK/SWD am 9. Mai 2006 wurden die wichtigsten Problemfelder nochmals vorgestellt und diskutiert.
Das Beschlussverfahren ist mittlerweile abgeschlossen. Zur Zeit werden die Ergebnisse in der Arbeitsstelle für Standardisierung zusammengestellt und die teilweise umfangreichen Kommentierungen der Experten ausgewertet. Die Ergebnisse sollen als gemeinsamer Standpunkt der Expertengruppen in die RDA-Diskussion und -Kommentierung eingehen und entsprechend vertreten werden.
Die Diskussion um Retrieval-Nutzen und Erschließungsaufwand von Körperschaften und Kongressen in Formal- und Sacherschließung wird im GKR-Projekt insbesondere im Zusammenhang mit der Bestimmung der Sucheinstiege im Titelsatz intensiv geführt werden.
Es sollte gelingen, das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden: Körperschaftsregeln sehr viel einfacher zu gestalten, den Aufwand niedrig zu halten und gleichzeitig den wünschenswerten Nutzen für das Retrieval wahrzunehmen. Die internationale Angleichung von Sucheinstiegen und Entitäten gewährleistet eindeutige Vorteile im weltweiten Retrieval. Auch künftige Verwendungsfelder von Körperschaftsdaten müssen bereits mit gedacht und berücksichtigt werden: Die durchgehend an Körperschaften orientierte Organisation des Web deutet, insbesondere bei Netzpublikationen, auf eine wachsende Bedeutung in Recherche und (automatisierter) Erschließung hin. Die „Gemeinsamen Körperschaftsregeln“ sollten auch diesen neu erwachsenden Anforderungen gerecht werden können.
Praxisregeln zu RAK-WB § 311 und RSWK § 106 zur Individualisierung von Personennamen treten ab dem 1. Juli 2006 in Kraft
Die Praxisregeln zu RAK-WB § 311 und RSWK § 106: Individualisierung von Personennamen beim Katalogisieren mit der Personennamendatei (PND) treten ab dem 1. Juli 2006 in Kraft. Die Regelungen stellen für die Anwender der Personennamendatei (PND) eine Ergänzung zu den in den Regelwerken bestehenden Regelungen dar.
Damit wird der vom Standardisierungsausschuss mit großer Mehrheit getroffene Beschluss, „Regelungen betreffend die Individualisierung von Personennamen vorab als Praxisregel zu veröffentlichen und in Kraft zu setzen“ umgesetzt und der von den PND-Anwendern schon seit langem formulierte Wunsch eingelöst, die in der PND bereits realisierte Individualisierung auch im Regelwerk zu verankern.
Die Praxisregeln folgen den im Jahr 2004 im „ perso-Projekt“ getroffenen Beschlüssen. Im „perso-Projekt“ waren in einem gemeinsamen Projekt der Expertengruppen PND, Formalerschließung und RSWK/SWD die Personenansetzungsregeln der Regelwerke RAK-WB und RSWK aneinander angeglichen worden. Die miteinander abgestimmten Regeltexte hatten ein Stellungnahmevefahren durchlaufen und der Standardisierungsauschuss hatte die Veröffentlichung und Anwendung beschlossen.
Mit den Praxisregeln zur Individualisierung wird eine wichtige Grundlage für die Arbeit in der Normdatei PND manifestiert.
Die nun in Kraft tretenden Praxisregeln können nur einen Teil der im „perso-Projekt“ vereinbarten Entwicklungen realisieren, da sie sich noch an den im bestehenden Austauschformat gegebenen Möglichkeiten orientieren. Weitergehende Formatveränderungen sind darin wegen des beschlossenen Umstiegs nach MARC21 zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich. Aus diesem Grund werden auch noch unterschiedliche Textfassungen für die Praxisregel zu den RAK-WB § 311 und RSWK § 106 vorgelegt. Ein gemeinsamer Regelwerkstext für Formal- und Sacherschließung wird nach Abschluss der internationalen Regelwerksentwicklung formuliert. Die im „perso-Projekt“ getroffenen Festlegungen werden in die Diskussion und Kommentierung des RDA-Entwurfs für Personenansetzungsregeln einfließen und den deutschen Standpunkt bestimmen.
Um die Anwendung in der überregionalen PND zu unterstützen, arbeitet die Arbeitsstelle für Standardisierung zurzeit an einem Vergabe-Script für die Eingabe der normierten Berufsbezeichnungen. Mit der Auslieferung zusätzlicher, individualisierender Datenelemente wird sobald wie möglich begonnen.
Individualisierte Datensätze in der PND stellen wertvolle Sucheinstiege für die Benutzer unterschiedlichster Kataloge und Bestände dar. Sie ermöglichen die Verlinkung von Veröffentlichungen von und über die Person, von Archivalien, Museumsbeständen und Lexikoneinträgen, wie z. B. in der deutschen Ausgabe der freien Internetenzyklopädie Wikipedia.
Die PND umfasst zur Zeit ca. 2,7 Mio. Datensätze, von denen ca. 1,1 Mio. Datensätze individualisiert sind, d.h. genau eine Person beschreiben. Die kooperativ geführte Normdatei wird von allen deutschsprachigen Bibliotheksverbünden, dem Kalliope-Verbund und in Projekten angewendet. Mit vereinten Kräften und den nun geltenden Praxisregeln soll die Anzahl der individualisierten Datensätzen in den nächsten Jahren kontinuierlich steigen.
Aktualisierung der RAK-WB-Anlage 5.4 (Transliteration der hebräischen Buchstaben)
Die Deutsche Bibliothek hat auf ihrer Website die Aktualisierung des Regelwerkstextes der RAK-WB-Anlage 5.4 (Transliteration der hebräischen Buchstaben) veröffentlicht.
Die Norm DIN 31636 wurde vom Deutschen Institut für Normung, Normenausschuss Bibliotheks- und Dokumentationswesen, Arbeitsausschuss 1 "Transliteration und Transkription" revidiert und nach Durchführung eines DIN-Stellungnahmeverfahrens im Februar 2006 veröffentlicht. DIN 31636:2006-02 ersetzt DIN 31636:1982-04. Die revidierte Norm ist im Verlag Beuth zu beziehen.
Der Standardisierungsausschuss hat in einem Umlaufverfahren im Frühjahr 2006 seine Zustimmung zu einer Änderung der RAK-WB-Anlage 5.4 erteilt, die nunmehr die Fassung der DIN 31636 vom Februar 2006 als maßgebliche Norm für die Umschrift des hebräischen Alphabets nennt.
Aus der Sitzung des Standardisierungsausschusses
Am 1. Juni 2006 hat die 12. Sitzung des Standardisierungsausschusses in der Deutschen Bibliothek Frankfurt am Main stattgefunden. Neben dem Bericht aus der Arbeitsstelle für Standardisierung (mit Informationen zum Stand der Überlegungen zur Neuordnung der Expertengruppen, zur Individualisierungsrichtlinie, zur Einführung der ISBD(CR)-Splitregeln für fortlaufende Sammelwerke, zur Aktualisierung der RAK-WB-Anlage 5.4 (Transliteration der hebräischen Buchstaben), zur ISBD-Konsolidierung, zur Revision der ISBD(A) und zur Evaluierung von ICABS, über die in diesem Newsletter gesondert berichtet wird) standen die Themen Zusammenarbeit der Verbundsysteme und Stand der Umsetzung der Beschlüsse des Standardisierungsausschusses zur Internationalisierung der deutschen Standards auf der Tagesordnung.
Der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der Verbundsysteme, Reiner Diedrichs hat über den Stand des Projekts Kooperative Neukatalogisierung berichtet. Die Arbeitsgruppe geht davon aus, dass bis Jahresende ein erprobtes, prototypisches Verfahren vorgestellt werden kann, hält aber für das Gelingen des Vorhabens eine Angleichung der Katalogisierungspraxis insbesondere im Bereich Impressum und Umfangsangaben für dringend erforderlich. Der Standardisierungsausschuss hat die Gruppe aufgefordert, einen Vorschlag zur Vereinheitlichung der Verbundregeln zu erarbeiten, bei dem sie auch die RDA-Entwicklung berücksichtigt, und das Ergebnis anschließend mit der Expertengruppe Formalerschließung abzustimmen. Auch im Projekt Matchkey sind Erfolg versprechende Tests durchgeführt worden.
Zum Stand der Umsetzung der Beschlüsse des Standardisierungsausschusses zur Internationalisierung der deutschen Standards ist Erfreuliches zu berichten. Der Vorsitzende des Hochschulausschusses der KMK hat bei einem Gespräch in Der Deutschen Bibliothek am 20. April 2006 mitgeteilt, dass der Hochschulausschuss die Entwicklung einer Internationalisierung von Format und Regelwerk begrüßt und diese ausdrücklich unterstützt.
Darüber hinaus wurde über den Stand der Vorarbeiten zum Umstieg auf MARC 21, zum Entwicklungsstand der RDA und den Stand der Arbeiten in den Projekten Gemeinsame Ansetzungsregeln für Körperschaften der Formal- und Sacherschließung (GKR) und Gemeinsames Normdatenformat (GND) sowie Onlinekommunikation mit Normdatenbanken berichtet.
Die 13. Sitzung des Standardisierungsausschusses findet am 6. Dezember 2006 statt.
Neues aus den Expertengruppen
Bericht von der gemeinsamen Sitzung der Expertengruppen
RSWK/SWD und DDC Deutsch
Nach der Aufforderung des Standardisierungsausschusses an die
Expertengruppen der Bereiche Normdateien und Sacherschließung,
gemeinsame Arbeitsprogramme zu verabschieden, das neue Modell
zu erproben und Erfahrungen mit der Arbeit in themenbezogenen
und ständigen Arbeitsgruppen zu sammeln, hat Anfang Mai eine
gemeinsame Sitzung der beiden mit Sacherschließung befassten
Expertengruppen stattgefunden, die sich langfristig sowohl um
die Verbindung zwischen verbaler und klassifikatorischer
Erschließung als auch um ein verbessertes sachliches Retrieval
kümmern wollen.
Schwerpunkt des ersten Treffens war das im Februar angelaufene Projekt CrissCross, das Die Deutsche Bibliothek zusammen mit der Fachhochschule Köln und mit Förderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft in Angriff genommen hat. Ausgehend von dem schon vor einigen Jahren begonnenen MACS-Projekt zwischen vier europäischen Nationalbibliotheken soll hier eine Verbindung zwischen den drei wichtigsten Schlagwortnormdateien weltweit, den LCSH für die englische Sprache, RAMEAU für das Französische und der deutschen SWD, geschaffen werden, ergänzt um die klassifikatorische Komponente, die durch die Einbringung von DDC-Notationen in die SWD berücksichtigt wird. Die Integration der DDC in die SWD ist ein Desiderat, das im Zuge des vorangegangenen Projekts DDC Deutsch schon gefordert worden war.
Auch über die Möglichkeiten und Grenzen der Integration fremdsprachiger - in erster Linie englischsprachiger - Äquivalente oder Sucheinstiege wurde diskutiert. Auch hierzu sind Projekte geplant, etwa für das Fach Geschichte. Trotz bisheriger Skepsis und Zurückhaltung beim Berücksichtigen fremdsprachiger Elemente in der SWD bestand Einvernehmen darüber, dass - ob normdatenbasiert im Rahmen von CrissCross oder glossargestützt wie im Geschichtsprojekt - eine Integration des Englischen und längerfristig auch des Französischen und eventuell des Italienischen begrüßt und unterstützt wird.
Ein weiteres gemeinsames Thema war das von Der Deutschen Bibliothek vorgelegte Sacherschließungskonzept, bei dem durch Einbeziehung der Universitäts- und Regionalbibliotheken eine verbale Erschließung der in den Reihen B und H der DNB jetzt mit DDC klassifizierten Titel sicher gestellt werden soll. Ein Teil der im Dezember 2005 durch eine Umfrage der Sektion IV des DBV angesprochenen Bibliotheken erklärte sich zur Mitwirkung bereit; ein Einbringen der Daten wird im Rahmen der kooperativen Neukatalogisierung angestrebt. Die Deutsche Bibliothek bietet als eigenen Beitrag die Übernahme der Schlagwortvergabe von circa 1000 Titeln im Bereich der Kulturwissenschaften (Sachgruppen 700-990) an.
Die von den Mitgliedern beider Expertengruppen gewünschte Beschäftigung mit den Themen Semantic Web und Verbesserung der Sachrecherche generell wurde auf folgende gemeinsame Sitzungen verschoben. Insbesondere eine bessere Zugänglichkeit der aufwändigen Sacherschließungsdienstleistungen für den "Endnutzer" und eine Optimierung der thematischen Recherche ist allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern ein dringendes Anliegen, mit dem man sich in Zukunft intensiv befassen will.
Fazit dieser ersten großen Expertenrunde zur Sacherschließung ist die Einsicht aller Beteiligten in die Notwendigkeit, sich gemeinsam auch mit strategischen und theoretischen Problemen auseinandersetzen zu müssen, die im Tagesgeschäft der Einzelsitzungen oft zu kurz kommen, aber für die Akzeptanz der Sacherschließung und ihre zukünftige Entwicklung von entscheidender Bedeutung sind.
Sitzung der Expertengruppe RSWK/SWD
Einen der Schwerpunkte der Mai-Sitzung der Expertengruppe
RSWK/SWD bildete die Diskussion um die künftige Gestaltung des
Regelwerks RSWK. Die Regelwerksentwicklung im Bereich der
Formalerschließung, die Übernahme internationaler Standards und
Formate, die Vereinheitlichung der Ansetzungsregeln für
Personen und Körperschaften der Formal- und Sacherschließung
haben Auswirkungen auf die RSWK. Da wichtige Kapitel – die
Ansetzungsregeln für einen Großteil der Eigennamen – in Zukunft
gleichzeitig Teil des künftigen Regelwerks für die
Formalerschließung sein werden, lag die Frage nahe, ob die RSWK
künftig eigenständig oder integriert in ein Gesamtregelwerk
erscheinen sollen. Favorisiert wurde von den Experten eine
Modullösung, ein Gesamtregelwerk für Formal- und
Sacherschließung, das sich aus einzelnen Modulen zusammensetzt.
Die für die Sacherschließung relevanten Module würden für sich
genommen ein in sich geschlossenes Sacherschließungs-Regelwerk
bilden und wären gleichzeitig Bestandteil des Gesamtregelwerks.
Da auch die RDA - das künftige Nachfolgeregelwerk der AACR2, an
denen sich das neue deutsche Regelwerk orientiert – ein
Web-Produkt mit modulartigem Aufbau sein werden, bietet sich
eine solche Lösung an.
Die neue Struktur der RSWK bietet Vorteile für alle Anwender, die nur Teile des Regelwerks anwenden. Verwendungs- und Ansetzungsregeln können unabhängig voneinander genutzt werden, was zum Beispiel den Anwendern entgegenkommt, die Schlagwörter lediglich verwenden, ohne neue in die Normdateien einzubringen.
An vielen Stellen werden die RSWK überarbeitet werden müssen. So werden Verwendungsregeln und Ansetzungsregeln für Allgemeinbegriffe weiterhin spezifisch für den deutschen Sprachraum ausgestaltet sein, während die Ansetzungsregeln für Individualnamen internationalen Standards folgen sollten. Weitere Gemeinsamkeiten mit der Formalerschließung sind zu überprüfen, um Doppelarbeit zu vermeiden und dem Benutzer eine ganzheitliche Recherche zu ermöglichen.
Dieser Anlass soll dazu genutzt werden, alle Bereiche von RSWK auf den Prüfstand zu stellen, um sie bei Bedarf zu aktualisieren und neuen Bedürfnissen anzupassen. Eine Arbeitsgruppe wurde beauftragt, ein Konzept für die Revision der RSWK zu erarbeiten. Als Mitglieder der "Arbeitsgruppe RSWK-Neuauflage" wurden Frau Braune-Egloff, UB der Freien Universität Berlin, Frau Scheven, Die Deutsche Bibliothek, Herr Dr. Stumpf, UB Augsburg, und Herr Wessel, UB Trier, benannt. Die Ergebnisse der Arbeitsgruppe werden mit der Expertengruppe rückgekoppelt und auf den kommenden Sitzungen vorgestellt. Die RSWK-Anwender sollen bereits von Anfang an miteinbezogen werden: Über Verbundumfragen sollen die Bereiche und Paragrafen gesammelt werden, die nach Meinung der RSWK-Anwender revisionsbedürftig sind. Wer sich zusätzlich daran beteiligen möchte, kann seine Anregungen bis 31. August 2006 an folgende Adresse senden: scheven@dbf.ddb.de.
Sitzung der Expertengruppe DDC Deutsch
Nach Abschluss der Arbeiten an der Druckausgabe der DDC
Deutsch, dem Erscheinen des Lehrbuchs
"Dewey-Dezimalklassifikation, Theorie und Praxis" und dem
offiziellen Start von Melvil liegen jetzt die "Mühen der
Ebenen" vor den Mitgliedern der Expertengruppe und vor den mit
Dewey klassifizierenden Bibliothekarinnen und Bibliothekaren,
insbesondere in Der Deutschen Bibliothek, wo mit Heft 1 (2006)
die DDC-Vergabe für die Reihen B und H der DNB begonnen hat und
zur Zeit das Konzept für die Ausweitung auf Reihe A im nächsten
Jahr vorbereitet wird. Mit den DDC-Anwendern in Europa soll die
Zusammenarbeit intensiviert werden, dabei bemüht man sich um
gemeinsame Absprachen bei der praktischen Anwendung der DDC, um
möglichst konsistente Daten zu bekommen und Fremdleistungen
besser nutzen zu können.
Die Lizenzierung des Retrieval- und Klassifikationstools Melvil bei Der Deutschen Bibliothek ist erfolgreich angelaufen. Ein erster Relaunch ist für Juli 2006 geplant, dort werden die seit Redaktionsschluss für die Druckausgabe im Frühjahr 2005 bei OCLC erfolgten Änderungen und die dort erstellten neuen synthetischen Notationen ebenso eingespielt wie Korrekturen zur deutschen Ausgabe und wichtige neue synthetische Notationen (z.B. für die politischen Parteien Österreichs und der Schweiz und für alle Unterrichtsfächer). Auch für die bisherige Projekt-Website www.ddc-deutsch.de wird bis Sommer eine Reihe von Änderungen vorgenommen, die dem jetzt erreichten Status der DDC Deutsch Rechnung tragen.
Als Arbeitsvorhaben für die nächsten Jahre hat die Expertengruppe DDC Deutsch außerdem das Thema Konkordanzen zwischen Klassifikationen und hier vorrangig zwischen DDC und RVK diskutiert. Dazu soll Kontakt mit dem Bibliotheksverbund Bayern (BVB) aufgenommen werden.
Expertengruppe Datenformate: Formatumstieg auf MARC
21
Der Formatumstieg hin zu MARC 21 schreitet weiter voran. Im
Mittelpunkt der derzeitigen Arbeit steht dabei eine Konkordanz
für die eigentliche Abbildung von MAB2 auf MARC 21. In der 7.
Sitzung der Expertengruppe Datenformate am 8. Juni konnte ein
grober Überblick über die Zuordnung der wichtigsten
Kernbereiche von MAB2 gewonnen werden. Die Teile, denen im
angloamerikanischen Format keine Pendants zugeordnet werden
können, sind im Umfang klarer geworden, inhaltlich gab es
jedoch kaum Überraschungen. Nach Abschluss der Konkordanz soll
ein Arbeitsinstrument zur Verfügung stehen, das sicherstellt,
dass zuvor via MAB2 transportierte Informationen in Zukunft
verlustfrei in MARC 21 weitergegeben werden können –
einschließlich aller Sonderbedingungen und Abhängigkeiten.
Lücken in der Abbildung in MARC 21 sollen in Zusammenarbeit mit
dem internationalen Standardisierungsgremium für MARC 21,
Machine-Readable Bibliographic Information Committee (MARBI)
geschlossen werden.
Dazu hält Reinhold Heuvelmann (Arbeitsstelle Datenformate) auf dem ALA Annual Meeting Ende Juni in New Orleans im Rahmen des MARBI-Treffens einen Vortrag zu der Frage, in welche Richtung diese Ergebnisse weisen, und vertieft gemeinsam mit Reinhard Altenhöner (Leiter Informationstechnik) und Beate Rusch (Kooperativer Bibliotheksverbund Berlin-Brandenburg) den Kontakt der Expertengruppe zum MARBI-Gremium. In verschiedenen vorbereitenden Gesprächen und Kontakten werden die aus der MAB-Struktur und den Regelwerken und Normdateien resultierenden Besonderheiten vorgestellt. Als Grundlage für ein gemeinsames "sorting out" mit den Kolleginnen und Kollegen aus dem anglo-amerikanischen Raum ist die Expertengruppe derzeit mit der Bewertung der Lückenliste befasst. Daraus wird dann ein Diskussionspapier mit allen Anforderungen an MARC 21 von deutscher und österreichischer Seite erstellt.
In den vorbereitenden Überlegungen und Festlegungen abgeschlossen ist inzwischen der Themenbereich der mehrbändigen begrenzten Werke. Die endgültigen Festlegungen der Expertengruppe und eine Beispielsammlung zur Veranschaulichung werden nach ihrer formalen Verabschiedung veröffentlicht. Ebenfalls fertig gestellt sind die Zeichensatzkonkordanzen zum MARC-8-Zeichensatz. Über die Lücken – am häufigsten verwendet davon in den Verbundsystemen das Paragraphenzeichen – wird ebenfalls mit den anglo-amerikanischen Expertinnen und Experten gesprochen werden. Durch die zunehmende Verwendung von ISO/IEC 10646 / Unicode in Bibliotheks-Anwendungen wird das Problem allerdings auf längere Sicht entschärft.
Sitzung der Study Group on Future Directions of ISBD April 2006 in Frankfurt am Main
Vom 5. bis 8. April 2006 trafen sich in der Deutschen Bibliothek Frankfurt am Main die Mitglieder der „ISBD Study Group on Future Directions of ISBD“. Ein Arbeitsziel der Gruppe unter der Leitung von Dorothy McGarry ist die Zusammenführung der Ausgaben der International Standard Bibliographic Description (ISBD) für verschiedene Publikationstypen in einer Ausgabe. Hierfür werden die verabschiedeten und derzeit gültigen Stände der ISBD herangezogen.
Im Rahmen der IFLA laufen derzeit noch ISBD-Revisionen, darunter die Überarbeitung der ISBD(CM) (Cartographic Materials) und der ISBD(A) (Older Monographic Publications, Antiquarian). Das Revisionsergebnis der ISBD(ER) (Electronic Resources) ist noch nicht von der IFLA in Kraft gesetzt worden. Diese Revisionsergebnisse müssen nach ihrer Verabschiedung in einem weiteren Schritt in die konsolidierte ISBD-Ausgabe eingearbeitet werden.
Die ISBD-Gruppe hat in ihrer Sitzung Anfang April 2006 intensiv am Entwurfsstand der konsolidierten ISBD-Ausgabe gearbeitet. Es ist geplant, den erreichten Stand im Juni 2006 den ISBD-Gremien der IFLA vorzulegen und im Anschluss daran im Sommer 2006 ein öffentliches Stellungnahmeverfahren durchzuführen.
Revision der ISBD(A)
Der Revisionsentwurf der ISBD(A), der International Standard Bibliographic Description for Older Monographic Publications (Antiquarian), wurde im Frühjahr 2006 einem öffentlichen Stellungnahmeverfahren unterzogen. Die Frist für Stellungnahmen lief bis zum 1. Mai 2006. Aus dem Bereich der Expertengruppen und des Standardisierungsausschusses gingen keine Kommentare bei der Arbeitsstelle für Standardisierung ein; die Arbeitsstelle für Standardisierung hat keine Stellungnahme abgegeben.
Memorandum zur Langzeitverfügbarkeit digitaler Ressourcen in Deutschland
Ergebnisse aus Wissenschaft und Forschung liegen zunehmend nur noch digital vor, digitale Kommunikationstechniken ermöglichen neue Formen des wissenschaftlichen Arbeitens und erleichtern den weltweiten Zugang zu wissenschaftlichen Ergebnissen. Der rasante technische Wandel führt jedoch zum schnellen Veralten von Datenträgern und Datenformaten. Das Projekt „nestor - Kompetenznetzwerk Langzeitarchivierung“ hat deshalb jetzt in einem Memorandum Empfehlungen veröffentlicht, wie zukunftsorientierte und Erfolg versprechende Rahmenbedingungen für die Erhaltung des digitalen Erbes von Deutschland gestaltet werden könnten.
Bessere technische Vorkehrungen gegen Datenverlust, wie der Einsatz nicht proprietärer, offener und gut dokumentierter Datenformate ist dabei nur eine der Forderungen. Vernetzung und Professionalisierung, Standardisierung in den relevanten Bereichen, die Schaffung nachhaltiger Koordinationsstrukturen, die stärkere Berücksichtigung der Notwendigkeit zur Langzeitarchivierung durch Staat, Informationsproduzenten wie Verlage und Rundfunkanstalten, Hard- und Softwarehersteller, Bibliotheken und Archive werden ebenfalls gefordert.
Das Memorandum basiert auf den Arbeiten und Erfahrungen der Projektpartner, auf Beiträgen aus der Wissenschaft, einer Umfrage unter deutschen Archiven, Bibliotheken und Museen und den Anregungen einer öffentlichen Diskussionsveranstaltung im Bundesarchiv Koblenz im Februar 2006. In 18 Grundsätzen fixiert das Memorandum eine deutsche „Langzeitarchivierungs-Policy“ in den Themenbereichen „Verantwortung für die Langzeiterhaltung digitaler Informationen“, „Auswahl, Verfügbarkeit und Zugriff“, „Technische Vorkehrungen“ und „Vernetzung und Professionalisierung“.
Treffpunkt Standardisierung beim 95. Deutschen Bibliothekartag in Dresden
Auch in diesem Jahr hat der Standardisierungsausschuss beim 95. Deutschen Bibliothekartag in Dresden eine eigene Veranstaltung angeboten, die wie in jedem Jahr vom Vorsitzenden des Standardisierungsausschusses, Berndt Dugall, moderiert wurde.
Nach einer kurzen Einführung durch den Moderator, bildeten abweichend von der im Programm aufgeführten Reihenfolge Reinhard Altenhöner und Reinhold Heuvelmann, beide Mitarbeiter Der Deutschen Bibliothek den Auftakt mit Ihrem Vortrag „Umstieg von MAB2 auf MARC 21“.
Der Standardisierungsausschuss hat wegweisende Beschlüsse zum weiteren Vorgehen nach Abschluss des Projektes „Umstieg auf internationale Formate und Regelwerke (MARC21, AACR2)“ gefasst. Dazu gehören u. a. der Beschluss MARC 21 als verbindliches Austauschformat für alle deutschsprachigen Bibliotheken einzuführen und der Auftrag an Die Deutsche Bibliothek und die Expertengruppe Datenformate, die obligatorische Verwendung von MARC21 als einheitlichem Austauschformat vorzubereiten. Der Vortrag skizzierte den bis März 2006 erreichten Projektstand (s. a. Neues aus den Expertengruppen, Expertengruppe Datenformate: Formatumstieg auf MARC 21).
Einer mittlerweile bereits als Tradition zu bezeichnenden Reihe folgend hat der Standardisierungsausschuss auch in diesem Jahr wieder einen Kollegen aus dem Ausland eingeladen, Gordon Dunsire, den stellvertretenden Direktor des Centre for Digital Library Research an der University of Strathclyde in Glasgow, Schottland und Mitglied des Committee on Anglo-American Cataloguing Rules (AACR) des Chartered Institute of Information Professionals (CILIP) und der British Library (BL). Er informierte unter dem Titel „RDA: a new international standard“ über das geplante neue Regelwerk und dessen Struktur sowie den Zeitplan des Joint Steering Committee for Revision of AACR (JSC).
Der Standardisierungsausschuss hatte u. a. eine Beteiligung am Geneseprozess der AACR3 (jetzt RDA) beschlossen und die Ausrichtung des künftigen deutschen Regelwerks an den RDA bestätigt. Das künftige deutsche Regelwerk soll nach Vorliegen der RDA als Ganzes veröffentlicht und in Kraft gesetzt werden.
Thematisch anschließend stellte Gudrun Henze, Mitarbeiterin der Arbeitsstelle für Standardisierung Der Deutschen Bibliothek den erreichten Arbeitsstand für das künftige deutsche Regelwerk vor mit Bezug auf die RDA-Entwicklungen, die unsere Arbeit beeinflussen. Durch die Möglichkeit, eine deutsche Stellungnahme zu den RDA -Entwürfen abzugeben, ist dieser Einfluss nicht einseitig. Gleichzeitig läuft international eine Reihe von Entwicklungen (ISBD-Konsolidierung, IFLA Meetings of Experts on an International Cataloguing Code, FRBR etc.) die ebenfalls die Entwicklung des deutschen Regelwerkes beeinflussen.
Im Anschluss daran referierte Christel Hengel, ebenfalls Mitarbeiterin der Arbeitsstelle für Standardisierung Der Deutschen Bibliothek, über den Stand der „Weiterentwicklung der Normdateien“.
In einer zunehmend vernetzten Kommunikations- und Medienlandschaft gewinnen netzübergreifende Normdateien, die standardisiertes, miteinander kompatibles Vokabular bieten, als Recherche- und Erschließungsinstrumente an Bedeutung. Um die bestehenden deutschen Normdateien für ihre künftigen Funktionen zu qualifizieren, werden sie in mehreren parallelen Projekten restrukturiert und zu einer Gemeinsamen Normdatei integriert. Gleichzeitig wird zwischen Der Deutschen Bibliothek als Host der überregionalen Normdatei und den Bibliotheksverbünden ein neuer Ansatz zur Entwicklung einer Online-Update-Schnittstelle für Normdaten getestet und erprobt. Parallel dazu beginnen Gespräche um die künftige Organisation der deutschen Normdatenkooperation unter Online-Bedingungen. Diese nationalen Entwicklungen unterstützen die Bestrebungen auf internationaler Ebene, die nationalen Normdateien virtuell international zusammenzuführen, wie es im Projekt Virtual International Authority File (VIAF) erprobt wird, und sie zu Instrumenten zu machen, die den Anforderungen des Semantic Web entsprechen.
Das Interesse der Besucherinnen und Besucher des Bibliothekartages an der Veranstaltung des Standardisierungsausschusses war wie in den vergangenen Jahren groß, aber leider konnten nicht alle Interessierten die vier Vorträge anhören, da die Platzkapazität des Vortragssaales viel zu gering war.
Bericht vom Hessischen Bibliothekstag in Fulda
Unter dem Motto „Buchhandel – Bibliothek – Schule: neue Dienste – neue Strukturen – neue Wege“ veranstaltete der Landesverband Hessen des Deutschen Bibliotheksverbands am 8. Mai 2006 in Fulda den Hessischen Bibliothekstag.
Die Foren des Bibliothekstags beschäftigten sich mit Strukturen und Akteuren der Literatur- und Informationsversorgung, Katalogisierung im Zeitalter von Google und Amazon sowie Bibliotheken@Schule. Praxis, Perspektiven, Projekte.
Im Forum „Katalogisierung im Zeitalter von Google und Amazon“ wurden verschiedene Ansätze präsentiert, insbesondere wurde
- der Frage „Google – eine Alternative zur manuellen Erschließung?“ (Prof. Dr. Gerhard Schneider),
- der Nutzung der kollaborativen, manuellen Inhaltserschließung und semantischem, multilingualem Retrieval durch dandalon.com (Manfred Hauer)
- sowie der Zukunft der Katalogisierung nachgegangen (Renate Gömpel).
Innerhalb dieses Forums hat Renate Gömpel den Stand der Vorhaben des Standardisierungsausschusses, die Aktivitäten von ICABS sowie einige aktuelle Untersuchungen und Studien aus den USA (insbesondere den Final report „The changing nature of the catalog and its integration with other discovery tools“ von Karen Calhoun, entstanden im Auftrag der Library of Congress) im Überblick vorgestellt.
Bericht von der Konferenz UNIMARC & Friends
Vom 20. bis 21. März 2006 fand die „International Conference UNIMARC & Friends – Charting the New Landscape of Library Standards“ in Lissabon statt, veranstaltet von der Nationalbibliothek Portugals und der Kunstbibliothek der Calouste Gulbenkian Stiftung. Mit nahezu 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus 32 Ländern war die Konferenz sehr gut besucht, und die Veranstalter konnten zahlreiche Referenten aus dem In- und Ausland begrüßen.
Das Ziel der Konferenz war vor dem Hintergrund der Entwicklung des WWW und der daraus entstandenen Herausforderungen an die Bibliotheken, die die Entwicklung neuer Ansätze insbesondere in den Bereichen Metadaten, Retrieval und Datentausch nach sich zogen, den aktuellen Stand der Entwicklung neuer konzeptioneller Modelle und Datenspezifikationen in ihren Auswirkungen auf die Zukunft der MARC Standards herauszuarbeiten.
Die erste Session befasste sich mit Herausforderungen und künftiger Ausrichtung von Katalogisierungsstandards. Dabei wurden u. a. vorgestellt:
- Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des IFLA-Programms, die International Standard Bibliographic Description (ISBD) zu entwickeln und voranzubringen (John Byrum),
- Zukunft von Katalogisierungsregelwerken und -systemen: IFLA Meetings of Experts on an International Cataloguing Code (IME ICC), Functional Requirements for Bibliographic Records (FRBR) und Resource Description and Access (RDA, bisher unter dem Namen Anglo-American Cataloguing Rules, AACR bekannt) (Barbara Tillett),
- Functional Requirements for Bibliographic Records (FRBR) sowie deren Ausdehnung auf Normdaten (Functional Requirements for Authority Records, FRAR) (Patrick LeBoeuf, Glenn Patton, Mirna Willer).
In der zweiten Session stand die Übertragbarkeit und Nachnutzung von MARC in der offenen Web-Umgebung im Vordergrund. Die Präsentationen widmeten sich:
- UNIMARC’s embedded fields and MarcXchange. An unexpected plot (Vladimir Skvortsov),
- UNIMARC and XML at the BN (Biblioteca national) (Michel Bottin sowie José Borbinha, Hugo Manguinhas, Nuno Freire) und
- A new OPAC using open source software, XML and UNIMARC (Giovanni Begramin).
Als Abschluss der Konferenz fand ein “Round Table: Evolving standards for bibliographic data handling: the IFLA’s role” statt - dabei wurden die Sichten von IFLA, ICABS und UNIMARC sowie die Verbindungen zu anderen Standardisierungseinrichtungen (insbesondere ISO) dargestellt. Renate Gömpel hat in diesem Zusammenhang unter dem Titel "ICABS - umbrella for multifaceted activities in the area of bibliographic and resource control" Entwicklung und Aktivitäten von ICABS präsentiert.
Im Anschluss an die Konferenz fand das erste Treffen der UNIMARC Users Group statt, welches zukünftig regelmäßig stattfinden soll.
World Library and Information Congress
(WLIC) in Seoul, Korea
Vom 20. bis 24. August 2006 wird in Seoul, Korea, der World
Library and Information Congress, die 72. IFLA General Conference
and Council unter dem Motto "Libraries: Dynamic Engines for the
Knowledge and Information Society" stattfinden. Die IFLA-CDNL
Alliance for Bibliographic Standards (ICABS) ist dort mit einer
Veranstaltung zum Thema “The changing role of the catalogue in
supporting resource discovery and delivery” vertreten. Die
Entwicklung und die laufenden Aktitäten von ICABS werden im
Rahmen der Veranstaltung der Division IV Bibliografische
Kontrolle von der Vorsitzenden des Advisory Boards, Renate Gömpel
vorgestellt.
Im Rahmen der Veranstaltung der Cataloguing Section wird Christel
Hengel von der Arbeitsstelle für Standardisierung zusammen mit
den Projektpartnern Barbara Tillett von der Library of Congress
sowie Rick Bennett und Edward O’Neill von OCLC über den
Projektstand des „Virtual International Authority File“ (VIAF)
berichten. Außerdem wird die Vorsitzende der Division IV, Barbara
Tillett, vom 4. IFLA Meeting of Experts on an International
Cataloguing Code berichten, das unmittelbar vor der Tagung
ebenfalls in Seoul stattfinden wird.
Evaluierung von ICABS
Bei der Gründung der IFLA-CDNL Alliance for Bibliographic Standards (ICABS) im Sommer 2003 haben sich die Mitglieder darauf geeinigt, die neue Core activity der International Federation of Library Associations and Institutions (IFLA) nach Ablauf eines Zeitraums von drei Jahren zu evaluieren. Die Evaluation wird im Sommer 2006 durchgeführt, mit Ergebnissen ist Ende des Jahres zu rechnen. Zur Vorbereitung der Evaluierung wurde ein Fragebogen ins Web gestellt, der Auskunft über den Bekanntheitsgrad von ICABS innerhalb und außerhalb der IFLA geben soll.
Personelles
Am 1. April 2006 hat Renate Gömpel die Leitung der Abteilung Erwerbung und Formalerschließung am Frankfurter Standort übernommen. Zeitgleich wurde die Arbeitsstelle für Standardisierung, die ebenfalls von Frau Gömpel geleitet wird, der Abteilung Erwerbung und Erschließung organisatorisch angegliedert. Ab 1. Juli wird die Veränderung durch den neuen Abteilungsnamen Erwerbung, Formalerschließung und Standardisierung deutlich. Die Abteilung Sacherschließung am Standort Frankfurt am Main wird von Magda Heiner-Freiling geleitet.
Dr. Kerstin Helmkamp hat am 1. Juni 2006 ihre Stelle als Projektbearbeiterin des Projekts Umstieg auf MARC 21 angetreten. Das Projekt wird durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) finanziert. In einem weiteren Projekt unterstützt auch die Mellon Foundation, New York, den Umstieg auf MARC 21.
Druckversion (pdf-Format)
http://www.ddb.de/standardisierung/afs/newsletter.htm
ISSN 1862-5959
Herausgeber:
Die Deutsche Bibliothek, Arbeitsstelle für Standardisierung,
Adickesallee 1, 60322 Frankfurt am Main
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