Newsletter Standardisierung und Erschließung

Nr. 1, März 2006

Editorial

Pünktlich zum 95. Deutschen Bibliothekartag in Dresden erscheint die erste Ausgabe des neuen "Newsletter Standardisierung und Erschließung", der Sie regelmäßig über aktuelle Entwicklungen, Themen und Termine im Bereich der Standardisierung und Erschließung informieren wird.

Wir freuen uns auf Ihre Anregungen oder Kommentare: afs@ddb.de

Unsere Themen

Pfeil SprungmarkeResource Description and Access - Neue Entwicklungen im Regelwerksbereich
Pfeil SprungmarkeAfS on tour: Informations- und Diskussionsveranstaltungen zur Regelwerksentwicklung
Pfeil SprungmarkeStatement of International Cataloguing Principles
Pfeil SprungmarkeFörderung des Umstiegs von MAB2 auf MARC 21 durch DFG und Mellon Foundation
Pfeil Sprungmarke"Moving to MARBI" – Bericht von den MARBI-Treffen beim Midwinter Meeting der American Library Association (ALA)
Pfeil SprungmarkeMargaret Stewart zu Besuch in der Deutschen Bibliothek Frankfurt am Main
Pfeil SprungmarkeNeuer aktiver PND-Kooperationspartner HeBIS
Pfeil SprungmarkeDIN/NABD
Pfeil SprungmarkeAus dem NABD 1
Pfeil SprungmarkeAus dem NABD 8
Pfeil SprungmarkeAus dem NABD 15
Pfeil SprungmarkeElektronische Dissertationen – Bericht von der ETD2005 Conference in Sydney
Pfeil SprungmarkeInternationale Konferenz zu Ehren des 100. Geburtstages von Dr. Eva Verona
Pfeil SprungmarkeKooperation der Personennamendatei mit Wikipedia
Pfeil Sprungmarke95. Deutscher Bibliothekartag Dresden
Pfeil SprungmarkeUNIMARC & Friends Conference Lissabon
Pfeil SprungmarkeHessischer Bibliothekstag Fulda 

Resource Description and Access - Neue Entwicklungen im Regelwerksbereich

Das Joint Steering Committee for Revision of Anglo-American Cataloguing Rules (JSC) hat im Dezember 2005 den Entwurf für Part I der "Resource Description and Access" (RDA) auf seiner Website veröffentlicht und zu Stellungnahmen eingeladen. Für Gremien, die nicht Mitglied des JSC sind, lief die Stellungnahmefrist am 1. März 2006 ab. Das JSC wird im April 2006 zu seiner nächsten Sitzung in Ottawa, Kanada, zusammentreffen.

"Resource Description and Access" ist der Arbeitstitel des Regelwerks, das Nachfolger des Regelwerkes AACR2 werden und als international anwendbares Regelwerk aufgestellt werden soll. Part I der RDA umfasst "resource description", also die bibliografische Beschreibung. Der vorgelegte Entwurf stellt einen Neuansatz dar, der das Regelwerk über Bibliotheken hinaus auch für Archive und Museen anwendbar macht. RDA nehmen die IFLA-Modelle der Functional Requirements for Bibliographic Records (FRBR) und Functional Requirements for Authority Records (FRAR) auf. Metadata communities sind ebenfalls in den Entstehungsprozess der RDA involviert.

Es stößt auf großen Beifall, dass das JSC den Wunsch aufgegriffen hat, die Entwürfe weltweit öffentlich zur Verfügung zu stellen. Neben dem Entwurf stehen auf der Website weitere Materialien zur Verfügung, darunter eine Zusammenstellung von "Frequently asked questions", ein aktualisierter Text ("Prospectus"), welcher die RDA und die damit verbundenen Ziele vorstellt, sowie der Strategieplan.

Der Standardisierungsausschuss hat eine aktive Beteiligung am Entstehungsprozess des Regelwerkes beschlossen. Die Arbeitsstelle für Standardisierung gab im letzten Jahr bereits eine Stellungnahme zu dem Erstentwurf der AACR3 (alter Arbeitstitel) für Part I ab sowie eine weitere Stellungnahme zum Informationstext "Prospectus".

Die Expertengruppen Formalerschließung und Online-Ressourcen haben in ihren Sitzungen im Februar 2006 den aktuell vorliegenden Entwurf für Part I der RDA ausführlich behandelt und über die Stellungnahme aus dem deutschsprachigen Raum beraten. Die Arbeitsstelle für Standardisierung hat diese Stellungnahme fristgerecht am 1. März 2006 an das JSC geschickt.

Der Gesamteindruck des Entwurfes ist positiv; Struktur und Terminologie werden als klar und verständlich gesehen. Der Regelwerksentwurf enthält ein Kernset an verpflichtenden Elementen. Für die darüber hinausgehenden Elementen sind viele Regeln optional. Dies wird verbundübergreifende verbindliche Festlegungen für die Anwendung erfordern. Änderungsvorschläge, die in der Stellungnahme vorgebracht werden, beziehen sich z. B. auf die Wichtigkeit normierter Erscheinungsverläufe, die Ergänzung von Persistent Identifiern und URL sowie auf den Wunsch, die bibliografische Beschreibung nicht wie im Entwurf ISBD-gerecht vorgesehen auf den ersten oder ältesten Band zu stützen, sondern jeweils auf den aktuellsten, um aktuelle Daten vorrangig präsentieren zu können. Der Entwurf enthält drei Möglichkeiten, welche Art der bibliografischen Beschreibung gewählt wird: comprehensive, analytical, multilevel. Für die Katalogisierung mehrbändiger Werke ist im deutschen Anwendungsbereich eine starke Präferenz für die "multilevel description", eine mehrstufige Beschreibung, festzustellen.

Gudrun Henze (Arbeitsstelle Regelwerke der Formal- und Sacherschließung / Erschließung Elektronischer Ressourcen) hat auf Einladung des GBV am 8. März 2006 im Rahmen einer Fortbildungsveranstaltung in Göttingen einen Vortrag über "RDA: Neue Entwicklungen im Bereich Regelwerk" gehalten.

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AfS on tour: Informations- und Diskussionsveranstaltungen zur Regelwerksentwicklung

Die Arbeitsstelle für Standardisierung hat von Oktober 2005 bis Januar 2006 in den deutschen Verbünden und in Österreich eine Reihe von Informations- und Diskussionsveranstaltungen zur Regelwerksentwicklung durchgeführt und dabei über die einzelnen Module der gegenwärtigen internationalen Regelwerksentwicklung sowie die bereits laufenden Projekte informiert:

Nach einer kurzen Vorstellung der internationalen Standardisierungsbestrebungen, der Beschlüsse des Standardisierungsausschusses und der geplanten Vorgehensweise der Expertengruppen haben die Mitarbeiterinnen der Arbeitsstelle für Standardisierung, Renate Gömpel, Christel Hengel und Gudrun Henze, im Gespräch mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern die Wirkungen der Internationalisierung für das deutschsprachige Bibliothekswesen und insbesondere für die Benutzer beleuchtet, die Möglichkeiten und Chancen der aktiven Beteiligung an den internationalen Vorhaben und gemeinsam Fragen zur Umsetzung besprochen. Die Veranstaltungen waren allesamt gut besucht und stießen auf großes Interesse.

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Statement of International Cataloguing Principles

Auf der Website Der Deutschen Bibliothek steht neben weiteren Übersetzungen die deutsche Fassung des Statement of International Cataloguing Principles einschließlich der abgestimmten Veränderungen des 2. IFLA Meeting of Experts on an International Cataloguing Code (IME ICC) in Buenos Aires, Argentinien, 2004 zur Verfügung.

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Förderung des Umstiegs von MAB2 auf MARC 21 durch DFG und Mellon Foundation

Die Andrew W. Mellon Foundation, New York, fördert den Formatumstieg deutschsprachiger Bibliotheken von MAB2 nach MARC 21 insbesondere durch die Unterstützung von intensiven Kontakten auf Arbeitsebene, zur Erstellung einer Konkordanz MAB – MARC 21 und zur Unterstützung von Voruntersuchungen für ein gemeinsames Editionssystem. Auch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) unterstützt den Formatumstieg. Ein Antrag an die DFG zur Förderung der Projektkoordination und der Koordination der Teilprojekte untereinander sowie u. a. von Untersuchungen zum Zeichensatz, der Übersetzung des MARC-Concise-Formats, der Beschaffung und Implementierung eines gemeinsamen Editionssystems wurde bewilligt.

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"Moving to MARBI" – Bericht von den MARBI-Treffen beim Midwinter Meeting der American Library Association (ALA)

Das für das MARC-21-Format zuständige Gremium "Machine-Readable Bibliographic Information Committee" (MARBI) trifft sich zweimal im Jahr im Rahmen der ALA Midwinter Meetings (Januar) und der ALA Annual Meetings (Juni). Kern der MARBI-Mitglieder sind die drei Ex-Officio-Vertreter der Library of Congress (LC), der Library and Archives Canada (LAC) und der British Library. Dazu kommen 9 Mitglieder mit Stimmrecht aus verschiedenen Untergliederungen der ALA und von anderen großen Institutionen. Die Treffen sind offen für interessierte Gäste und Zuhörer.

Ziel der Teilnahme von Reinhold Heuvelmann (Arbeitsstelle Datenformate) an den MARBI-Treffen im Januar 2006 in San Antonio (Texas) war es, die bisher nur punktuell vorhandenen Kontakte zur angloamerikanischen "MARC community" zu erweitern, zu vertiefen und auf der Arbeitsebene persönlicher zu gestalten. Auf Einladung des "Network Development and MARC Standards Office" (NDMSO) der Library of Congress gab Reinhold Heuvelmann den MARBI-Teilnehmern einen kurzen Sachstandsbericht über den Formatumstieg in Deutschland und Österreich und erläuterte dessen mögliche Auswirkungen auf MARC 21. Der Bericht wurde sehr positiv aufgenommen. Rückfragen betrafen die Vorgehensweise und Abstimmung zwischen der Arbeitsstelle Datenformate und dem NDMSO und das Thema mehrbändige Werke (Datenmodell, Verknüpfungsrichtungen).

In einem dreistündigen Arbeitsgespräch mit Sally McCallum (LC), Margaret Stewart und Bill Leonard (beide LAC) konnte Reinhold Heuvelmann Details des Formatumstiegs ansprechen und diskutieren. Dabei wurden die organisatorische und personelle Einbindung der Arbeitsstelle Datenformate in die bibliothekarische Standardisierung erläutert und der Formatumstieg im Kontext des gesamten Umstiegsprojekts beleuchtet. Ausführlich konnten Details der Abbildung von mehrbändigen Werken vor dem Hintergrund der bisher von der Expertengruppe Datenformate getroffenen Vereinbarungen diskutiert werden. Es wurde weiterhin besprochen, welche Möglichkeiten der Unterstützung durch die angloamerikanische MARC-Community für weitere Schulungsveranstaltungen zu MARC 21 und seiner Anwendung gesehen werden.

Die Haltung der Kolleginnen und Kollegen aus dem MARC-Anwendungsbereich gegenüber den Aktivitäten und Plänen in Deutschland und Österreich ist durchgehend sehr aufgeschlossen und interessiert. Der seit einigen Jahren erfolgreich vorangetriebene Prozess der Internationalisierung (MAB Englisch, ISO/IEC 10646 / Unicode, FRBR, MABxml) bietet dabei gute Referenzen für die bisherige "MAB Community" mit ihrem Kern aus Expertengruppe und Arbeitsstelle Datenformate.

Neben der Formatarbeit im engeren Sinne bestand auch die Gelegenheit, aus dem breiten Programmangebot auszuwählen und einige benachbarte Bereiche zu streifen. Zu nennen sind hier Treffen der "FRBR Implemeters Group", der "Steering Group" der "German - North American Resources Partnership", der "MARC Format Interest Group", der Gruppe zu "MARC for Special Collections" und der "Copy Cataloging Discussion Group". Einen besonderen Schwerpunkt der bibliothekarischen Standardisierungsarbeit stellten bei dem diesjährigen Midwinter Meeting die Sitzungen des "Committee on Cataloging: Description and Access" (CC:DA) dar, die sich in öffentlichen Diskussionen mit den ersten Stellungnahnmen zum 1. Teil des Entwurfs für das neue Regelwerk "Resource Description and Access" (RDA) befassten. Über konkrete Auswirkungen auf MARC, so die Berichterstattung des CC:DA an MARBI, kann allerdings bisher noch keine genaue Aussage gemacht werden.

Margaret Stewart zu Besuch in der Deutschen Bibliothek Frankfurt am Main

Anfang November 2005 hat sich die Leiterin der Standards Division von Library and Archives Canada in Ottawa zu einem einwöchigen Informationsbesuch in Frankfurt am Main aufgehalten. Marg Stewart hat sich in Der Deutschen Bibliothek über bibliografische Standards in Deutschland informiert und mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern intensiv fachlich über Regelwerks- und Formatfragen diskutiert. Höhepunkt der Woche war ein gemeinsam mit der Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg veranstalteter „Joint Lunch Talk“, bei dem Marg Stewart über „ Standards development and implementation at Library and Archives Canada“ referierte und damit den Anwesenden einen tiefen Einblick in die Standardisierungsarbeit in Kanada ermöglichte. Das Programm wurde durch den Besuch einiger Frankfurter Bibliotheken abgerundet.

Neuer aktiver PND-Kooperationspartner HeBIS

Das Hessische BibliotheksInformationsSystem (HeBIS) nimmt seit dem 1. März 2006 aktiv an der PND-Kooperation teil. Rund 25 Bibliotheken aus Hessen und Rheinland-Pfalz arbeiten nun mit der überregionalen Personennamendatei (PND).

Bisher wurde die PND in HeBIS nur für die Namen der Sacherschließung genutzt, nun ist die Verknüpfung von Personensätzen auch für die Formalerschließung verpflichtend. Dazu wurde im HeBIS-Verbundsystem die überregionale PND eingespielt. Alle Titelaufnahmen mit Bestand wurden mit Personensätzen verknüpft. Für Personen, zu denen kein passender Personensatz in der überregionalen PND vorhanden war, wurden aus den Titeldaten maschinell HeBIS-eigene nicht individualisierte Personensätze erstellt. In den Katalogisaten des HeBIS-Verbundes wird die Verknüpfung zu individualisierten und nicht individualisierten Datensätzen aus der überregionalen PND bevorzugt. Werden neue Datensätze für Personen benötigt, werden in Zukunft individualisierte Personensätze online in die überregionale Normdatei für Personennamen eingegeben, während nicht individualisierte Sätze ausschließlich in HeBIS erfasst werden.

In der Expertengruppe PND ist HeBIS schon seit mehreren Jahren durch einen Vertreter repräsentiert und war daher über die Entwicklungen in der PND laufend unterrichtet. Seitens der Arbeitsstelle für Standardisierung wurde die Einführung der PND im HeBIS-Verbund beratend begleitet.

Um von vornherein auf den Individualisierungsergebnissen Der Deutschen Bibliothek aufbauen zu können, bezog HeBIS neben der Grundlieferung des überregionalen Normdateibestands retrospektiv die mit individualisierten Personensätzen verknüpften Titelsätze der Deutschen Nationalbibliografie in einem verkürzten Lieferformat (DNB-Nummer, ISBN, Personenverknüpfung zur PND).

Barbara Pfeifer (Arbeitsstelle Normdateien) hat bei mehreren Veranstaltungen in verschiedenen HeBIS-Verbundbibliotheken über die Geschichte der PND und das PND-Redaktionsverfahren informiert. Die Veranstaltungen waren gut besucht und boten für die Teilnehmenden – mehrheitlich aus den Katalogisierungsabteilungen der Institutionen – Gelegenheit Fragen zur Anwendung der Normdatei zu stellen. Dieses Angebot wurde sehr gut angenommen. Die Informationsveranstaltungen waren für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Auftaktveranstaltungen zu nachfolgenden internen Schulungen, in denen sie die Handhabung und die Anwendung der PND im PICA-Iltis-System sowie im HeBIS-Verbundsystem kennen lernten.

Im Sommer 2006 wird die Arbeitsstelle für Standardisierung für die HeBIS-PND-Redakteure eine eintägige Intensivschulung anbieten.

DIN/NABD

Innerhalb der Internationalen Organisation für Normung (ISO) werden Normungsvorhaben für Bibliotheken, Archive und Dokumentationseinrichtungen durchgeführt. Das Spiegelgremium zum ISO/TC 46 "Information and Documentation" bildet der Normenausschuss Bibliotheks- und Dokumentationswesen (NABD) im Deutschen Institut für Normung e. V. (DIN). Internationale Normen werden in der Regel von den nationalen Gremien, die an deren Entstehung mitgewirkt haben, übernommen. In mehreren Arbeitsausschüssen nehmen deutsche Experten Stellung zu internationalen Normungsvorhaben und erarbeiten eigene Normungsvorhaben.

Mit Unterstützung zahlreicher ehrenamtlicher Mitarbeiter, insbesondere aus den Institutionen des Standardisierungsausschusses und Der Deutschen Bibliothek, aber auch aus vielen Universitäts- und Landesbibliotheken sowie aus Archiven von Bund, Ländern und aus der gewerblichen Wirtschaft, erarbeitet und betreut der NABD nationale, europäische und internationale Normungsvorhaben in den hier aufgeführten Arbeitsausschüssen. Die Leiterin der Arbeitsstelle für Standardisierung, Renate Gömpel, ist Vorsitzende des DIN/NABD-Beirats.

Aus dem NABD 1: Umschrift des hebräischen Alphabets

Im Februar ist die DIN 31636 "Information und Dokumentation - Umschrift des hebräischen Alphabets" neu erschienen.

Aus dem NABD 8: ISBN

Nachdem die neue Norm ISO 2108:2005 im Mai 2005 veröffentlicht und damit in Kraft getreten ist, wurde auch eine neue Fassung des Leitfadens (ISBN User’s Manual) in kleiner Auflage publiziert. Die in Zukunft ständig zu aktualisierende Fassung steht auf der Website der Internationalen ISBN-Agentur zur Verfügung.

Aus dem NABD 15: ISO-Standard PDF/A

Am 25. und 26.Januar 2006 fand in Berlin unter Beteiligung des NABD 15 ein offizielles Treffen zum ISO-Standard PDF/A (ISO/TC 171/SC2/ WG5/N016) statt. Dabei ging es um eine Reflektion der bestehenden ISO-Norm PDF/A-1 und um einen Ausblick zur weiteren Entwicklung. PDF/A ist eine genormte Version des verbreiteten „Portable Document Format“ (PDF).

Bei PDF/A handelt es sich um eine Liste von Einschränkungen der umfassenden Möglichkeiten von PDF, um es archivierungsfreundlicher zu gestalten. Vor ein paar Monaten ist PDF/A-1 als ISO-Norm verabschiedet worden. Die Basis ist dabei PDF 1.4, und so war das Thema dieses Treffens vor allem, was in PDF/A-2 zusätzlich stehen muss, um PDF 1.6 als Grundlage zu erlauben. Zu den neuen PDF-Features, die künftig auch in PDF/A erlaubt sind, gehört z. B. die JPEG2000-Unterstützung, wohingegen Multimedia und 3D untersagt sind. Zugleich wurden einige kleine Korrekturen für PDF/A-1 beschlossen, da sich während des Entstehungsprozesses fehlerhafte Begriffe insbesondere zu XMP in den Text eingeschlichen hatten.

PDF/A-1 und PDF/A-2 gehen bei der Betrachtung von elektronischen Dokumenten ausschließlich von seitenorientierten, statischen (also ohne Inhaltsverlust druckbaren) Dokumenten aus. Das schränkt die Verwendung von PDF/A auf bestimmte Bereiche der Langzeitarchivierung ein. Allerdings wurde beim Treffen durchaus der Bedarf für die Aufnahme von dynamischen Elementen in PDF/A deutlich, weshalb dieses für PDF/A-3 angedacht ist.

Somit sieht die ISO-Entwicklung von PDF/A folgendermaßen aus: Zuerst wird es eine "Ergänzung" mit Fehlerkorrekturen des erschienen PDF/A-1 geben, dann erscheint PDF/A-2, welches sich nur durch das Zulassen von PDF 1.5 und 1.6 unterscheidet, wobei alles das eingeschränkt bzw. untersagt wird, was dem statischen, seitenorientierten Charakter widerspricht. Schließlich soll es in PDF/A-3 einen Paradigmenwechsel geben, nach dem nicht mehr nur die visuelle Erscheinung (statisch) bewahrt werden soll, sondern zusätzlich auch das Verhalten (dynamisch). Letzteres ist allerdings erst in der Diskussion, und es gibt auch noch keinen genauen zeitlichen Rahmen für diese neuen Versionen. Die nächsten ISO-Treffen zu PDF/A sind für 26. bis 28. Juni 2006 in Kalifornien, Januar 2007 in Australien sowie Juni 2007 in London geplant.

Elektronische Dissertationen – Bericht von der ETD2005 Conference in Sydney

Das 8. internationale Symposium über elektronische Hochschulschriften, das vom 28. bis 30. September 2005 in der University of New South Wales in Sydney stattfand, stand unter dem Motto „Evolution through discovery“. Rund 160 Teilnehmer aus allen Erdteilen diskutierten über Methoden, Standards, Anwendungen und Projekte zur optimalen Beschreibung, Verwaltung und Präsentation von Online-Hochschulschriften, um Forschungsergebnisse weltweit zugänglich zu machen. Deutschland war auf dieser Konferenz mit Teilnehmern aus Berlin (Humboldt-Universität) und Frankfurt am Main (Christine Frodl, Die Deutsche Bibliothek, Arbeitsstelle für Standardisierung) vertreten.

Im Rahmen von zwei Komitee-Sitzungen (Implementation Committee Meeting und Standards Committee Meeting) sowie einem Vortrag mit dem Titel „XMetaDiss meets ETD-MS“ konnten die Erfahrungen und Entwicklungen Der Deutschen Bibliothek eingebracht werden. So wurde der Aspekt der Langzeitarchivierung von Online-Hochschulschriften weiter in das Blickfeld gerückt und der deutsche Metadaten-Standard zur Beschreibung elektronischer Hochschulschriften „XMetaDiss“ in seiner Beziehung zum internationalen Standard ETD-MS diskutiert. Durch die Erstellung eines Mappings von XMetaDiss Version 1.2 zu ETD-MS Version 1.0, Revision 2, ist es möglich, Metadaten über elektronische Hochschulschriften weltweit auszutauschen und den Networked Digital Library of Theses and Dissertations (NDLTD) Union Catalogue zu bedienen.

Internationale Konferenz zu Ehren des 100. Geburtstages von Dr. Eva Verona

Am 17. und 18. November 2005 fand in Zagreb die "International Conference in Honour of the 100th Anniversary of Eva Verona's Birth" statt, veranstaltet von der Kroatischen Bibliotheksvereinigung, der National- und Universitätsbibliothek in Zagreb und der Philosophischen Universitätsfakultät, Abteilung für Informationswissenschaften. Mit über 130 Teilnehmerinnen und Teilnehmern war die Konferenz sehr gut besucht, und die Veranstalter konnten zahlreiche Referenten aus dem In- und Ausland begrüßen. Als deutsche Vertreterin referierte Gudrun Henze.

Eva Verona (1905-1996) war in vielen Funktionen in der IFLA engagiert. Für Ihren Einsatz wurde sie von der IFLA und der American Library Association (1976 als erste europäische Bibliothekarin) geehrt. Als Referentin der Pariser Konferenz von 1961 "International Conference of Cataloguing Principles" erstellte sie eine kommentierte, 1971 von der IFLA veröffentlichte Ausgabe der dort verabschiedeten so genannten "Paris Principles". Von 1974 bis 1977 war Eva Verona Vorsitzende des IFLA Committee on Cataloguing. Sie lehrte an der Universität von Zagreb und veröffentlichte zahlreiche Schriften. Verona war nicht nur an der internationalen Entwicklung von Standards beteiligt, sondern auch an der Erstellung nationaler Katalogisierungsregeln, welche bis zum Beginn der 90er Jahre in den Ländern des früheren Jugoslawien angewendet wurden und derzeit noch in Kroatien angewendet werden.

Wie andere Länder auch steht Kroatien vor einem Scheideweg, nationale Regeln weiter zu entwickeln, anzupassen oder umzusteigen. Neben einem nationalen Konferenzschwerpunkt, der Eva Veronas "Pravilnik i priru?nik za izradbu abecednih kataloga" behandelte, war ein weiterer Schwerpunkt dem Thema "Internationale Katalogisierungsstandards und nationale Katalogisierungsregeln" gewidmet. Dorothy McGarry (ISBD Review Group) stellte die Arbeiten an einer konsolidierten, alle Ausgaben der International Standard Bibliographic Description in einer Ausgabe zusammenfassenden ISBD vor. Eeva Murtomaa (ISBD Review Group) präsentierte die Modelle der Functional Requirements for Bibliographic Records (FRBR) und Functional Requirements for Authority Records (FRAR) mit anschaulichen Beispielen. Mirna Willer (Study Group on Future Directions of the ISBDs) informierte über die Entwicklungen, welche die Paris Principles hin zu einem überarbeiteten "Statement of international cataloguing principles" nehmen, und stellte einige markante Aussagen des Statement-Entwurfs heraus. Der zweite Teil dieses Konferenzblocks war der jeweiligen Ausgangssituation und der Richtung gewidmet, die in der Regelwerksarbeit in Deutschland, Frankreich, Italien und Litauen sowie bei der Entwicklung der Resource Description and Access (RDA) als einem internationalen Standard eingeschlagen bzw. diskutiert werden.

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Kooperation der Personennamendatei mit Wikipedia

Die freie Enzyklopädie Wikipedia ist seit Juni 2005 mit dem Online-Katalog Der Deutschen Bibliothek verbunden. Für Personen, die Autor oder Gegenstand von Publikationen sind, wurde der Wikipedia-Eintrag um einen Link erweitert. Mit einem Mausklick gelangen Benutzer zu den entsprechenden Veröffentlichungen im Katalog Der Deutschen Bibliothek.

Durch die Anfang des Jahres erfolgte Anreicherung aller biografischen Artikel innerhalb der Wikipedia mit strukturierten Metadaten wurde die Kooperation ermöglicht, die im Rahmen der ersten internationalen Wikipedia-Konferenz im August 2005 in Frankfurt am Main vorgestellt wurde. Ausgehend vom Wikipedia-Artikel kann der Benutzer über die Personennamendatei (PND) auf die mit Normdatensätzen verknüpften bibliografischen Datensätze der Deutschen Nationalbibliografie zugreifen. Als nächste Erweiterung der Zusammenarbeit wird die Verlinkung auch aus dem Katalog Der Deutschen Bibliothek zu den Personeneinträgen in Wikipedia realisiert.

Die Normdaten der PND werden zum Bindeglied zwischen Enzyklopädieeinträgen, Werken von und über Personen sowie weiteren unterschiedlichen Materialien zu den Personen. So ist auch der Zugriff auf Bestände zu Personen in Archiven und Museen möglich, sofern sie die PND zur Beschreibung nutzen.

Am 22. März 2006 referieren Jürgen Czech und Barbara Pfeifer beim 95. Deutschen Bibliothekartag über „Wikipedia und Personennamendatei“.

95. Deutscher Bibliothekartag Dresden

Am 22. März 2006, von 9 bis 12 Uhr findet im Rahmen des 95. Deutschen Bibliothekartages in Dresden die Veranstaltung des Standardisierungsausschusses statt. Der Vorsitzende des Standardisierungsausschusses, Berndt Dugall, wird die Veranstaltung moderieren, in der über den Stand der Internationalisierung des deutschen Regelwerks (Gudrun Henze), des Umstiegs von MAB2 auf MARC 21 (Reinhard Altenhöner und Reinhold Heuvelmann) und die Weiterentwicklung der Normdateien (Christel Hengel) berichtet wird. Die Arbeitsstelle für Standardisierung freut sich, dass darüber hinaus Gordon Dunsire (UK) dafür gewonnen werden konnte, über den Stand der Resource Description and Access – RDA zu berichten.

Die Deutsche Bibliothek stellt auf ihrer Website eine Liste aller Veranstaltungen zur Verfügung, an sie denen beteiligt ist.

UNIMARC & Friends Conference Lissabon

Vom 20. bis 21. März 2006 findet in Lissabon die Internationale Conference UNIMARC & Friends – Charting the New Landscape of Library Standards statt. Renate Gömpel, die Vorsitzende des IFLA-CDNL Alliance for Bibliographic Standards (ICABS) Advisory Board, wird dort im Rahmen eines Round Tables: Evolving standards for bibliographic data handling: the IFLA’s role einen Vortrag halten über "ICABS - umbrella for multifaceted activities in the area of bibliographic and resource control".

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Hessischer Bibliothekstag Fulda

Unter dem Motto "Bibliothek - Buchhandel - Schule. Neue Dienste - neue Strukturen - neue Wege" findet am 8. Mai 2006 der 15. Hessische Bibliothekstag in Fulda statt. Die Leiterin der Arbeitsstelle für Standardisierung, Renate Gömpel, wird dort im Rahmen des Forums „Katalogisierung im Zeitalter von Google und Amazon“ Überlegungen zur „Zukunft der Katalogisierung“ vortragen.

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Herausgeber:
Die Deutsche Bibliothek, Arbeitsstelle für Standardisierung, Adickesallee 1, 60322 Frankfurt am Main

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