Chronik des Deutschen Buch- und Schriftmuseums
2010
Im Dezember erhält das Museum eine großzügige Schenkung des Early Printing Museums Cheon-Ju zur koreanischen Drucktechnik. Rund 450 Exponate - von diversen Rohmaterialien über Matrizen, Gussformen, Letternästen bis zu fertig bearbeiteten Metall-Lettern - dokumentieren in originalgetreuer Nachbildung die einzelnen Arbeitsschritte der koreanischen Typendrucktechnik, die knapp 80 Jahre vor Gutenbergs Innovation zum Buchdruck mit beweglichen Lettern praktiziert wurde.
2010
Im Juni beginnt der Umzug der Bestände und der
Mitarbeiter in den 4. Erweiterungsbau der Deutschen
Nationalbibliothek. Dort erhält das Museum neue
Ausstellungsflächen, einen attraktiven Lesesaal, erweiterte
Magazine, und museale Infrastruktur. Die Eröffnung des
Kabinetts für Besucheraktion und Museumspädagogik,des neuen
Museumslesesaals und eines Tresors für besondere Präsentationen
erfolgt im Frühjahr 2011.
Die neu konzipierte Dauerausstellung, die ein Stück
Menschheitsgeschichte von der Entstehung der Schrift über den
Buchdruck mit beweglichen Lettern bis zur digitalen Netzwelt
erzählt, wird im Frühjahr 2012 eröffnet.
2009
Nach 30-monatiger Beteiligung an dem
eContenPlus-Projekt Bernstein stellt das Museum über das Portal
www.memoryofpaper.eu
über 31.000 Titelaufnahmen zum Themenbereich Papiergeschichte
und Wasserzeichen als Fachinformation im Internet zur
Verfügung.
Das Museum erhält einen großen Teil des künstlerischen
Nachlasses des Leipziger Typografen und Illustrators
Hans-Joachim Walch (1927-1991) als Schenkung.
2008
In einem zunächst von der DFG unterstützten Projekt werden
3.500 druckgrafische Porträts von Buchdruckern, Buchhändlern
und Verlegern aus der Zeit vom 16. bis 20. Jahrhundert aus der
Bibliothek des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler zu
Leipzig erschlossen und digitalisiert. Die in dieser
thematischen Geschlossenheit einmaligen Quellen sind über das
Internet-Portal des Bildindex der Kunst und Architektur als
fachübergreifendes Informationsangebot
online verfügbar.
Das Museum kauft eine Sammlung des Leipziger Verlegers Dr.
Mark Lehmstedt, bestehend aus 275 Autografen und Dokumenten zur
Geschichte des Buchhandels des 18. bis 20. Jahrhunderts.
Darunter befinden sich u. a. Briefe von und an die bedeutenden
Leipziger Verleger Georg Joachim Göschen und Philipp Erasmus
Reich.
Mit einer Veranstaltung unter dem Motto "Aufbruch" wird die
ständige Ausstellung "Merkur und die Bücher" am 8.10.2008 wegen
Umbaumaßnahmen und konzeptionellen Vorbereitungen für eine neue
Dauerausstellung verabschiedet. Die Rückschau auf zwölf Jahre
Besucherbetrieb und Vermittlungsarbeit zum Thema "Buchplatz
Leipzig" ist verbunden mit dem Blick in die Zukunft.
2007
Einen großen Teil des buchgrafischen Werkes des Malers,
Grafikers und Buchgestalters Hans Ticha (geb. 1940) erwirbt das
Museum mit Unterstützung der Gesellschaft für das Buch e. V.
Ergänzt wird der Ankauf durch eine Schenkung des Künstlers.
Das Museum erhält von dem Leipziger Maler, Buchgestalter und
Schriftkünstler Paul Zimmermann (geb. 1920) ein Konvolut von
180 schriftkünstlerischen Arbeiten als Schenkung.
Dr. Stephanie Jacobs (geb. 1963) wird Leiterin des Museums.
2006
Erstmals wird das Deutsche Buch- und Schriftmuseum als eine
Aufgabe der Deutschen Nationalbibliothek im Wortlaut des
Gesetzes über die Deutsche Nationalbibliothek vom 22.6.2006
aufgenommen.
Ein umfangreicher Teilnachlass des bedeutenden Typografen,
Kalligrafen und Gebrauchsgrafikers Jan Tschichold (1902-1974)
wird dem Museum von seiner Schwiegertochter Lilo Tschichold als
Depositum übergeben.
2005
Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels übereignet die
Archivalien, Geschäftszirkulare und Verlagskataloge sowie die
Blattsammlung, darunter 3.300 Buchhändlerporträts, der
Bibliothek des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler zu
Leipzig.
Mit der Sonderausstellung "Geben und Nehmen" würdigt das
Museum private und institutionelle Förderer, die seit der
Gründung des Museums den Sammlungsausbau und die
Erschließungsaktivitäten mit Stiftungen und Schenkungen
nachhaltig unterstützt haben.
2004
Das Museum erhält den Nachlass des Typografen,
Buchgestalters, Dozenten und Fachautors Prof. Hans Peter
Willberg von seiner Lebens- und Berufspartnerin, Brigitte
Willberg, als Stiftung.
2003
Nach 15-jährigem Vorlauf erscheint 2003 die
Internationale Bibliographie zur Papiergeschichte (IBP), die in
4 Bänden Zugriff auf 20.000 Titelaufnahmen gewährt.
2001
Von 2001 bis 2003 kauft das Museum das künstlerische
Werk des Grafikdesigners Prof. Axel Bertram (geb. 1936) an. Der
umfangreiche Vorlass wurde mit Unterstützung der
Birkner-Stiftung inventarisiert und in einer Datenbank
erschlossen. Danach entstandene Arbeiten werden weiterhin in
den Bestand übernommen.
2000
Im März übereignet der Verlag B. G. Teubner Stuttgart und
Leipzig dem Museum sein Verlagsarchiv. Die Leipziger
Überlieferung wird ergänzt durch das Schriftgut, das vor 1990
dem Sächsischen Staatsarchiv Leipzig übergeben worden war.
Der 600. Geburtstag von Johannes Gutenberg ist Anlass, mit
einer Ausstellungstrilogie bis zum März 2002 unter dem
Leitmotto "Gutenberg 2000" aus historischer und aus
künstlerischer Sicht Fragen nach dem sog. "Ende des
Buchzeitalters" und dem Übergang in eine neue Medienwelt zu
stellen.
1999
Im Rahmen einer Festveranstaltung wird am 10.11.1999 in
Anwesenheit von Bundespräsident Johannes Rau die
Sonderausstellung "100 Jahre Insel Verlag" im komplett neu
gestalteten Sonderausstellungsraum eröffnet.
Eine Sammlung von Schreib- und Zeichengeräten des 19. und 20.
Jahrhunderts (rund 470 Einzelstücke) wird in Teilschritten ab
1999 von Margit und Hans-Günter Kowalski dem Museum
geschenkt.
1998
Die Japan Paper Academy (Kyoto) stellt über 400 Objekte aus der
Sammlung Bartsch in Imadate, Kyoto, Mino, Tokyo und Ino (bis
1999) aus und publiziert aus diesem Anlass einen reich
illustrierten Katalog.
Das Goethe-Institut in Kyoto veranstaltet ein Symposium, das
sich mit der Sammlung Bartsch befasst.
1997
Das Museum erwirbt einen Teilnachlass des Buch- und
Schriftgestalters, Dozenten und Fachautors Prof. Dr. Albert
Kapr (1918-1995). Dieser Bestand wird mit Unterstützung der
Birkner-Stiftung und mit öffentlichen Mitteln inventarisiert
und erschlossen.
Mit der Erschließung der rund 25.000 buchhändlerischen
Geschäftsrundschreiben (ca. 65.000 Exemplare) aus der
Bibliothek des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler zu
Leipzig wird - zunächst mit Unterstützung der
Volkswagenstiftung - begonnen. Die Erschließungsdaten dieser
einmaligen buchhändlerischen Quellen für den Zeitraum von 1737
bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts sind
online
zugänglich.
Dr. Gerhard Mühlinghaus überlässt erstmals dem Museum
Verlagseinbände des 19. und 20. Jahrhunderts, die in seiner
Privatsammlung bereits vertreten sind. Diese Stiftungen werden
kontinuierlich bis heute fortgesetzt.
1996
Die seit 1958 in getrennten Sammlungen geführten Bestände an
Kleinbilddias, Fotos und Negativen werden gemeinsam mit den neu
hinzugetretenen Rollfilmen, Overhead-Folien und Videofilmen
unter dem Begriff "Bildträgersammlung" zusammengefasst und nach
einheitlichen Kriterien bearbeitet. Der deutliche Zuwachs an
digitalen Datenträgern seit 2000 verändert das Profil der
Bildträgersammlung, die daraufhin in "Bildarchiv" umbenannt
wird.
Nach einem großzügigen Umbau und der Neugestaltung der
Ausstellungsräume mit moderner Ausstellungstechnik wird am
14.5.1996 die neue ständige Ausstellung "Merkur und die Bücher.
500 Jahre Buchplatz Leipzig" eröffnet. Sie zeigt den Weg
Leipzigs von den Anfängen des Fernhandels mit Büchern und dem
Druck des ersten Buches 1481 bis in das Jahr 1995 - eine Zeit,
in der sich die Auswirkungen von Privatisierung und
Rückübertragung volkseigener Betriebe und die Suche nach
marktwirtschaftlichen Formen in der Druckindustrie, im
Verlagsgeschäft und im Buchhandel abzeichnen und die Frage nach
der Berechtigung des Attributs Buchstadt gestellt werden muss.
Die Internationale Arbeitsgemeinschaft der Papierhistoriker
(IPH) veranstaltet ihren 23. Kongress unter dem Titel
"Papiergeschichte als Hilfswissenschaft" in der Deutschen
Bücherei Leipzig. Das Museum zeigt aus diesem Anlass die
Sonderausstellung "Traditionen der Papiergeschichtsforschung".
1995
Der Wissenschaftsrat spricht sich für die Weiterentwicklung des
Museums zu einem nationalen Dokumentationszentrum für die
deutschsprachige Buchkultur als integraler Bestandteil Der
Deutschen Bibliothek aus.
Das Museum erwirbt einen großen Teil der Autografen-Sammlung
des Literatur- und Buchwissenschaftlers Prof. Dr. Herbert G.
Göpfert (1907-2007). Die Sammlung beinhaltet mehr als 450
Briefe und Dokumente des 18. bis 20. Jahrhunderts, darunter
Briefe von Georg Joachim Göschen, Friedrich Perthes und Theodor
Fontane
1994
Eine vom Verwaltungsrat eingesetzte
Expertenkommission legt eine Denkschrift zur weiteren
Entwicklung des Museums vor, die von der aktuellen Situation
des Buches in einer sich verändernden Medienwelt ausgeht und
den internationalen Vergleich herstellt. Die von der Kommission
favorisierte Funktion wird als die eines Dokumentationszentrums
beschrieben, das sich der Pflege der Buchkultur widmet.
Felix Schoeller jr Foto- und Spezialpapiere GmbH & C o KG,
Osnabrück, seit 1990 Eigentümer der Freiberger Papierfabrik zu
Weißenborn GmbH, übereignet dem Museum aus dem Bestand dieser
Papierfabrik über 200 Egoutteure, die für die Produktion von
Wasserzeichenpapieren verwendet worden waren, und das
Musterzimmer der Papierfabrik, das durch seine Ausfallmuster
die Gesamtproduktion der Papierfabrik im Zeitraum 1950-1990
dokumentiert.
1993
In der Russischen Staatsbibliothek in Moskau wird bei
Recherchen einer deutschen Arbeitsgruppe im Oktober
festgestellt, dass sich die seit 1945 als Kriegsverlust
geführten wertvollsten Bestände der ehemaligen Sächsischen
Bibliographischen Sammlung nahezu vollständig, in sehr gutem
Erhaltungszustand und in geschlossener Aufstellung befinden. Es
handelt sich dabei um Rara, Rarissima und Unikate, von denen
das Pergamentexemplar der Gutenberg-Bibel das besondere
Interesse der Fachwelt wie der Öffentlichkeit weckt. Die 1945
vom gleichen Auslagerungsort verbrachte Becher-Einbandsammlung
wird ebenfalls in der Moskauer Bibliothek aufbewahrt. Über die
Existenz der Forrer-Zeugdrucksammlung wurde erst im Oktober
1998 informiert. Die in Moskau befindlichen Inkunabeln sind
seit dem Jahre 2000 online in einem Verzeichnis der
Wiegendrucke des Museums nachgewiesen.
Der Verwaltungsrat Der Deutschen Bibliothek verweist darauf,
dass das Museum unter dem traditionellen Namen "Deutsches Buch-
und Schriftmuseum" zukünftig ein Dokumentationszentrum der
deutschen Buchkultur sein werde, das in erster Linie für die
Wissenschaft gedacht sei.
Die Stiftung Buchkunst verpflichtet sich am 15.3.1993, die ihr
gehörenden Exponate der bisherigen und zukünftigen
Ausstellungen "Schönste Bücher aus aller Welt" sowie "Buchkunst
original" dem Museum zur Förderung der Bildung und
Unterstützung der Wissenschaft zu übertragen. Das Museum
übernimmt die Einarbeitung und Erschließung und stellt die
Bücher der Benutzung zur Verfügung.
Die Nachlässe der Papierhistoriker Dr. Karl Theodor Weiß und
seines Sohnes Dr. Wisso Weiß werden aufgrund vertraglicher
Vereinbarungen mit den Erben als Depositum übernommen.
1992
Zwischen 1992 und 1997 beteiligt sich das Museum in
einem von der DFG geförderten Projekt zum Nachweis
archivalischer Quellen zur Buchhandels- und Verlagsgeschichte
des 19. und 20. Jahrhunderts in Deutschland. Die
Online-Datenbank enthält Angaben aus den Findmitteln des
Bundesarchivs, von 55 Staatsarchiven, 297 kommunalen und 217
kirchlichen Archiven. Die Informationen zu ca. 80.000 Faszikeln
sind über verschiedene Register nach Personen, Körperschaften
Provenienzen u. a. recherchierbar.
Nach einem Votum des Beirates Der Deutschen Bibliothek besteht
die Aufgabe des Museums darin, die Forschung zu unterstützen,
ohne primär eigene Forschungsaktivitäten zu entwickeln.
Die vom Deutschen Museum übereignete Wasserzeichensammlung der
ehemaligen Forschungsstelle Papiergeschichte Mainz wird in die
Papiergeschichtlichen Sammlungen eingegliedert.
Mit Stiftungsmitteln des Kuratoriums Haus des Buches e. V. in
Leipzig kann ein zum Verkauf stehender Teil der Handbibliothek
des Amsterdamer Antiquars Abraham Horodisch (1898-1987)
erworben werden. Mit dem Ankauf der rund 1.400 Titel werden
Lücken vor allem bei fremdsprachiger Fachliteratur geschlossen.
Für den symbolischen Betrag von 1 DM werden von der
Treuhandanstalt 14 Druckmaschinen aus der historischen
Maschinensammlung des Kombinats Polygraph erworben. In den
folgenden Jahren werden einzelne Maschinen auch aus Privathand
angekauft, um einen exemplarischen Fundus von sog. Prototypen
der industriellen Buchherstellung im Bestand zu haben. 1993
wird mit der Restaurierung der Maschinen begonnen.
1991
Im Zusammenhang mit einer Neuorganisation von Arbeitsbereichen
im Museum wird die sog. Schausammlung als Kulturhistorische
Sammlung neu profiliert. Schriftdenkmäler, frühe Buchformen,
Geräte und Maschinen zur Buch-, Schrift- und Papierherstellung,
Buchskulpturen, Papierkunst u. a. gehören zu ihrem Bestand.
Der 1. Jahrgang des Leipziger Jahrbuchs zur Buchgeschichte
erscheint in Zusammenarbeit Der Deutschen Bibliothek mit dem
1990 gegründeten Leipziger Arbeitskreis zur Geschichte des
Buchwesens, der engen Kontakt zum Museum unterhält. Das Museum
ist auch an den in den folgenden Jahren stattfindenden
wissenschaftlichen Tagungen des Leipziger Arbeitskreises
beteiligt.
1990
In den Planungen zur Zusammenführung von Deutscher
Bücherei in Leipzig und Deutscher Bibliothek in Frankfurt a. M.
nach der Wiederherstellung der deutschen Einheit wird als
Schwerpunkt des Leipziger Standorts die Funktion als
Forschungsstätte für Buchwesen und Buchhandelsgeschichte
innerhalb der geeinten Nationalbibliothek ausgewiesen.
In Berlin wird anlässlich des 600-jährigen Jubiläums der
Papiermacherei in Deutschland mit Papierhistorikern und
-wissenschaftlern aus Ost und West das Symposium »Zum Stand der
Papiergeschichtsforschung in Deutschland« abgehalten.
Bei dieser Gelegenheit wird der Deutsche Arbeitskreis für
Papiergeschichte (DAP) gegründet, eine Vereinigung, die bis
heute vom Museum aus zu Tagungen einlädt und Arbeitskontakte
unter Interessierten herstellt.
Die Fritz Thyssen Stiftung stellt 1990 und 1991 Gelder zum
Erwerb von Rechentechnik und zum Ankauf von Fachliteratur aus
den Gebieten Buchkunde, Druck, Buchgestaltung, Beschreibstoffe
sowie bibliografische Nachschlagewerke zur Verfügung. Die
antiquarisch oder als Neuerscheinungen erworbenen Titel
vervollständigen die Fachbibliothek um vor 1990 nicht
zugängliche und um aktuelle fremdsprachige Literatur.
1989
Das abgeschlossene, historisch einmalige Buchhandelsarchiv der
Bibliothek des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler zu
Leipzig wird mit den neu erworbenen Archivalien zu einer neuen
Sammlungseinheit "Archivalien und Dokumente zur
Buchgeschichte", zusammengefasst. Sie umfasst inzwischen
170.000 schriftliche und bildliche Quellen des 16. bis 21.
Jahrhunderts.
Das Museum ist an einer Gemeinschaftsausstellung der Leipziger
Museen unter dem Titel "Merkur und die Musen. Schätze der
Weltkultur aus Leipzig" vom 21.9.1989 bis 18.2.1990 im
Künstlerhaus in Wien beteiligt.
1988
Eine Ausstellung "Buch museal. Von Gutenberg bis zur Gegenwart"
wird im Kulturzentrum der DDR in Paris vom 26.10. bis zum
30.11.1988 gezeigt.
Von dem Leipziger Künstler und Sammler Heiner Vogel (geb. 1925)
werden bis 1990 ca. 1.000 grafische Blätter volkstümlicher und
merkantiler Grafik (Buchillustrationen, Bilderbögen,
Andachtsbilder, Firmen- und Warenetiketten, Geschäftskarten u.
a.) aus dem 19. Jahrhundert erworben.
1987
Mit der Sammlung einer Auswahl von Künstlerbüchern
und Literaturzeitschriften, die außerhalb des außerhalb des
offiziellen Buch- und Kunsthandels erschienen sind, wird
begonnen. Eine vollständige Bibliografie dieser
Veröffentlichungen wird in Auftrag gegeben. Sie erscheint, von
Jens Henkel und Sabine Russ bearbeitet, 1990 unter dem Titel
"Künstlerbücher und originalgrafische Zeitschriften im
Eigenverlag".
1985
Nachdem die dem Museum zugeordnete
Restaurierungswerkstatt der Deutschen Bücherei neue
Räumlichkeiten mit einer modernen Ausstattung erhalten hat,
wird sie 1987 aus der Struktur des Museums ausgegliedert. Sie
verstärkt ihre Bemühungen, die Massenrestaurierung zu
intensivieren und deren Mechanisierung voranzutreiben. 1998
wird das heutige Zentrum für Bestandserhaltung aus der
Bibliothek ausgegründet.
Die Leitung des Museums übernimmt Lothar Poethe (geb.
1947).
1984
Das 100-jährige Bestehen des Museums wird mit einem Festakt
begangen. Anlässlich des Jubiläums findet ein internationales
Symposium zum Thema "Das Buch als musealer Gegenstand" statt.
In einer Sonderschau werden "Schätze aus dem Deutschen Buch-
und Schriftmuseum" gezeigt.
Das Profil der Klemm-Sammlung wird durch eine neue
Bestandsgruppe "Moderne Künstlerbücher" bereichert.
1981
Eine neue Dauerausstellung unter dem Titel "Buch und
Gesellschaft" wird anlässlich der 47. Tagung der
Generalversammlung der IFLA in Leipzig im August 1981 der
Öffentlichkeit übergeben. Um diese Präsentation für intensive
Vermittlungsarbeit zu nutzen, wird unter Berücksichtigung
museumsdidaktischer Überlegungen die Entwicklung der Buchkultur
in gesamtgesellschaftliche Entwicklungsprozesse eingeordnet.
Das Museum erwirbt den papierhistorischen Nachlass des
Zwickauer Stadtarchivars Karl Steinmüller (1901-1977), der im
Wesentlichen aus einer Wasserzeichensammlung und aus 53
Riesaufdrucken besteht.
1970
Das Sachgebiet Deutsches Papiermuseum wird unter
Berücksichtigung anderer bereits vorhandener Papiersammlungen
in Papierhistorische Sammlungen umbenannt.
Das Deutsche Buch- und Schriftmuseum erhält den Gutenberg-Preis
der Stadt Leipzig.
1965
Im neu erbauten Nordwestflügel der Deutschen Bücherei erhält
das Museum neue Arbeits-, Magazin- und Ausstellungsräume. Am
18.2.1965 wird die Dauerausstellung "Buch und Schrift von der
Frühzeit bis zur Gegenwart" auf ca. 350 m
2 Fläche eröffnet. Als kulturhistorische Lehrschau
konzipiert, liefert sie einen systematischen Überblick zur
Schriftgeschichte, zu Buchformen, Buchmalerei, Drucktechnik und
Buchgestaltung.
1964
Das 1957 in Greiz auf Basis der hinterlassenen
Privatsammlungen von Dr. Karl Theodor Weiß (1872-1945)
gegründete und von dessen Sohn Dr. Wisso Weiß (1904-1991)
geleitete Deutsche Papiermuseum wird als Sachgebiet in das
Deutsche Buch- und Schriftmuseum eingegliedert.
1959
Das Museum wird zur Vorbereitung der Internationalen
Buchkunst-Ausstellung in Leipzig herangezogen, mit der an die
große Buchkunstausstellung des Jahres 1927 angeknüpft werden
soll. Mit Leihgaben, Zuarbeiten und eigenen Beiträgen ist es
auch aktiv an der Vorbereitung und Durchführung der fünf
folgenden Ausstellungen (1965, 1971, 1977, 1982 und 1989)
beteiligt. Die in Leipzig verbleibenden Exponate der Länder-
und teilweise auch der Sonderausstellungen erhält das Museum.
Der Rat der Stadt Leipzig übernimmt am 1.1.1959 die erhalten
gebliebenen und für die Museumsarbeit nicht benötigten Objekte
der historischen Maschinensammlung aus dem Altbestand des
Deutschen Buchgewerbevereins zur Nutzung in den städtischen
Museen.
Der Börsenverein der Deutschen Buchhändler zu Leipzig
übereignet die Reste seiner gleichfalls durch
Kriegseinwirkungen dezimierten Bibliothek der Deutschen
Bücherei für das Museum. Damit erfolgt eine Zusammenführung der
Restbestände zweier vergleichbarer Fachbibliotheken, deren
Vereinigung bereits 1886 Carl B. Lorck vorgeschlagen
hatte.
1955
Die beginnende Rückgabe von deutschem Kulturgut an die
DDR, das von der sowjetischen Besatzungsmacht während des
Krieges und nach dem Krieg auf sowjetisches Territorium
verbracht worden war, lässt auch auf eine Rückgabe der 1945
abtransportierten Schätze des Buchmuseums hoffen. Die Hoffnung
erfüllt sich nicht. Die Rückgabeaktion wird 1960 von den beiden
Regierungen offiziell für beendet erklärt, ohne dass ein Buch
wieder in Leipzig eingetroffen ist. Selbst eine Bestätigung,
dass sich die Bestände erhalten haben, wird nicht gegeben. Das
ZK der SED lässt mitteilen, die Angelegenheit gelte als
abgeschlossen und verordnet 1961 als Sprachregelung, künftig
von Kriegsverlusten zu sprechen.
Die Abteilung Künstlerische Drucke wird als Sammlung in das
Museum eingegliedert. Damit werden nicht nur die Kriegsverluste
des Museums kompensiert und die historische Entwicklungsreihe
des Buches bis in die Gegenwart geschlossen, sondern es wird
wieder die seit den 1920er Jahren lockerer gewordene Verbindung
mit der zeitgenössischen Buchgestaltung und mit der Praxis der
Buchherstellung sowie Bildungseinrichtungen wie der Hochschule
für Grafik und Buchkunst hergestellt.
Nachdem das Eigentum an der Sächsischen Bibliographischen
Sammlung vom aufgelösten Land Sachsen an das Staatssekretariat,
später Ministerium für Hoch- und Fachschulwesen übergegangen
ist, wird ihr Bestand mit dem Altbestand des aufgelösten
Deutschen Buchgewerbevereins in einer Sammlung zusammengeführt
und in Erinnerung an Heinrich Klemm künftig als Klemm-Sammlung
bezeichnet.
Dr. Fritz Funke (geb. 1920) übernimmt die Leitung des
Museums
1954
Eine neue Dauerausstellung wird am 4.5.1954 eröffnet. Sie zeigt in 25 Gruppen die Geschichte von Buch und Schrift von den vorderasiatischen Keilschriftkulturen bis zum Buch der Gegenwart und folgte damit der ursprünglichen kulturgeschichtlichen Konzeption bei verstärkter Allgemeinverständlichkeit. Für das Buch im 20. Jahrhundert wird auf die Bestände der Abteilung Künstlerische Drucke der Deutschen Bücherei zurückgegriffen.
1952
Bucheinbände und Einbanddecken werden als neue
Bestandsgruppe in die Sächsische Bibliographische Sammlung
integriert.
1950
Das Museum wird an die Deutsche Bücherei übertragen und als Abteilung in die Bibliothek eingegliedert. Der Wiederaufbau der Sammlungen kann nun mit regelmäßig zur Verfügung stehenden Haushaltmitteln fortgesetzt und systematisch betrieben werden.
1949
Nachdem die Stadt Leipzig mit Hilfe des Deutsche
Buchgewerbevereins vergeblich versucht hatte, an die
Vorkriegs-Maschinenmessen anzuknüpfen und wirtschaftliche
Kontakte in die Westzonen herzustellen, wird der Verein
aufgelöst; sein Eigentum geht an die Stadt Leipzig über.
1946
Die erhalten gebliebenen Bestände des Museums - ca. 4.300 Bände
der Sächsischen Bibliographischen Sammlung und 3.500 Bände
Fach- und Musterbibliothek des Buchgewerbevereins sowie die
Bartsch-Seegers-Sammlung und andere Sammlungsreste - werden ab
August in die Deutsche Bücherei gebracht.
Auf zunächst 10 Jahre befristet werden dem Museum unentgeltlich
Räume überlassen; die spätere Aufstellung einer
Dauerausstellung zur Geschichte der Schrift und des Buches wird
zugesichert.
Am 1.8.1946 wird Dr. Hans H. Bockwitz von der Deutschen
Bücherei als Mitarbeiter übernommen. Da kein gewähltes
Vorstandsmitglied des Buchgewerbevereins ermittelt werden kann
und dieser somit nicht mehr handlungsfähig ist, wird im
September gerichtlich ein Vorstand eingesetzt.
1945
Am 22.9.1945 beschlagnahmt eine der sog.
Trophäenkommissionen der sowjetischen Besatzungsmacht die
ausgelagerten Handschriften, Bücher, Einbände und Zeugdrucke
auf Schloss Rauenstein. Über Berlin wird der größere Teil
Anfang Oktober per Flugzeug, der kleinere Teil per Eisenbahn im
Februar 1946 nach Moskau in die Leninbibliothek (heute
Russische Staatsbibliothek) verbracht. Versuche, den Verbleib
des Museumsgutes zu klären und dessen Rückgabe zu erreichen,
bleiben erfolglos.
Dr. Raymund Schmidt, Mitinhaber der Firma Oscar Brandstetter,
stiftet eine Exlibris-Sammlung mit rund 3.500 Blättern.
1944
Der Wiederaufbau der Bestände beginnt; mit Datum vom
20.8.1944 wird ein neues Zugangsbuch für die Sammlungen
eingerichtet. Es gehen zahlreiche Stiftungen von Firmen und
Einzelpersonen an das Museum. Antiquarisch werden weitere
Bücher und Zeitschriften erworben. Im November 1944 werden 53
Blätter mit Miniaturenkopien von Schoppmeyer erworben.
Die wertvollsten Bestände werden Ende Januar 1944 mit Hilfe der
Deutschen Bücherei in das Erzgebirge, auf das Schloss
Rauenstein in Lengefeld, ausgelagert. Hier wird auch der größte
Teil der Bestände der Deutschen Bücherei untergebracht.
1943
Beim britischen Luftangriff vom 4.12.1943 wird das Buchgewerbehaus von Spreng- und Brandbomben schwer getroffen. Magazinierte und ausgestellte Bestände gehen verloren. Während die in den Kellerräumen untergebrachte Sächsische Bibliographische Sammlung komplett erhalten bleibt, verbrennen mit 60.000 von 62.000 Bänden gut 90 % des Buchbestandes der Fach- und Musterbibliothek. Vernichtet werden u. a. auch die Schoppmeyer-Sammlung und die Weißenbachsche Blattsammlung.
1940
Am Johannistag eröffnet das Museum innerhalb der wegen des
Krieges erheblich reduzierten Gutenberg-Säkularfeier in Leipzig
eine neue Schausammlung im Erweiterungsbau des Deutschen
Buchgewerbehauses. Sie erstreckt sich auf 24 Räume und gibt
erneut einen kultur- und universalgeschichtlich fundierten
Überblick über die Entwicklung von Buch und Schrift.
Nach dem Beginn des Luftkriegs werden bereits Ende 1940 die
wertvollsten Handschriften und Inkunabeln der Sächsischen
Bibliographischen Sammlung sowie Mitte 1942 die Becher- und die
Forrer-Sammlung in Kisten verpackt und in den Tresorräumen
einer Bank untergebracht.
1939
Der Umzug des Museums in einen 1936 bis 1938
errichteten Erweiterungsbau des Deutschen Buchgewerbehauses am
Gutenbergplatz beginnt. Im Ober- und Dachgeschoss sind Arbeits-
und Magazinräume von etwa 800 m
2 sowie eine Ausstellungsfläche von rund 1.000 m
2 untergebracht.
1936
Der Rückgang der Schülerzahlen der Bibliothekarschule nach dem
Einstellungsstopp für alle Bibliotheken gibt den letzten
Anstoß, den Deutschen Verein für Buch- und Schriftkunde
aufzulösen. Der Deutsche Buchgewerbeverein übernimmt auch de
jure wieder die komplette Verantwortung für das Museum und
sieht dessen zukünftige Unterbringung in einem gerade
begonnenen Erweiterungsbau des Buchgewerbehauses vor. Damit
werden auch die 1917 beim Buchgewerbeverein verbliebenen
Technischen Sammlungen wieder dem Museum zugeordnet.
In einer Denkschrift legt der Direktor der Deutschen Bücherei,
Dr. Heinrich Uhlendahl (1886-1954), dem Oberbürgermeister von
Leipzig, Dr. Carl Goerdeler (1884-1945), "Erwägungen über den
Bauplatz für das Deutsche Buchmuseum" vor und plädiert dafür,
das Museum nicht in Verbindung mit dem Buchgewerbehaus, sondern
in einem Erweiterungsbau der Bibliothek in enger Verbindung
beider Institutionen unterzubringen.
1935
Der Trägerverein muss, angeblich um Verwechslungen mit der zur
Durchsetzung der nationalsozialistischen Schrifttumspolitik
gegründeten Reichsschrifttumskammer zu vermeiden, seinen Namen
in "Deutscher Verein für Buch- und Schriftkunde" ändern.
1934
Unter maßgeblicher Beteiligung von NSDAP-Mitgliedern
wird der Buchgewerbeverein umgebildet und damit die sog.
Gleichschaltung vollzogen. Wegen der engen Verflechtung mit dem
Trägerverein des Museums wird dieser damit de facto entmachtet.
Der Museumsdirektor Dr. Hans H. Bockwitz wird nicht wie sein
Vorgänger zum Mitglied des sächsischen Prüfungsamts
ernannt.
1929
Dr. Hans H. Bockwitz (1884-1954), der bereits als
Volontär seit 1915 bzw. als Direktorialassistent seit 1919 dem
Museum verbunden ist, übernimmt die Leitung.
1928
Weil verschiedene Auflagen der sächsischen Behörden
nicht oder nicht fristgerecht erfüllt werden, wird eine
Rücknahme der Sächsischen Bibliographischen Sammlung durch das
Land Sachsen erwogen. Das kann in letzter Minute verhindert
werden.
1927
Von 1927 bis 1943 erscheint das vom Bibliothekar bzw. Direktor
des Museums herausgegebene Jahrbuch "Buch und Schrift".
1926
Wenige Wochen nach dem 40. Jahrestag der Eröffnung des Buchgewerbemuseums muss angesichts drückender Mietschulden und der Ablehnung weiterer Unterstützungen durch Staat und Stadt der bisherige Standort aufgegeben werden; im Dezember 1925 erfolgt der Umzug in die Deutsche Bücherei. Der Mietvertrag für vier Räume im 2. Obergeschoss und zwei Magazine im 5. Stock beginnt am 1.1.1926. Nur wenige Sammlungsobjekte können - teilweise auf dem Korridor - ausgestellt werden, auch wenn die Ausstellungsflächen der Bibliothek mitbenutzt werden können. Das Museum ist in den folgenden Jahren öffentlich kaum noch wahrnehmbar.
1925
Der Fonds zur Weiterführung der Sächsischen
Bibliographischen Sammlung ist nach Kapitalentnahmen, nach den
Verlusten durch die Kriegsfolgen und die Inflation endgültig
verbraucht.
1922
Der Verkauf der Gutenberg-Bibel der Sächsischen
Bibliographischen Sammlung zur Sicherung der Existenz des
Museums kann durch den Verkauf einer Grafikmappe
"Künstlerspende für das Deutsche Buchmuseum" mit Arbeiten von
Lovis Corinth, Paul Klee, Oskar Kokoschka, Käthe Kollwitz,
Alfred Kubin und Max Slevogt verhindert werden.
1920
In der Nachkriegskrise und in den Turbulenzen der
Inflation wird die unzureichende Basis des Trägervereins
offensichtlich. Die finanzielle Situation des Trägervereins
verschlechtert sich dramatisch. Zahlreiche Vereinsmitglieder
können den Mitgliedsbeitrag nicht mehr aufbringen. Die
Museumsangestellten sind auf die in immer kürzerer Folge
notwendigen Teuerungszulagen angewiesen und machen 1923 in
einer Eingabe auf die notwendige Angleichung ihrer Gehälter
aufmerksam.
1918
Das Museum wird unter dem an die Bugra erinnernden Namen
"Deutsches Kulturmuseum" am 12.10.1918 im Gebäude des Verbandes
der Deutschen Handlungsgehilfen in der Zeitzer Straße (heute
Karl-Liebknecht-Straße) wieder eröffnet. Der Name wird bald in
"Deutsches Museum für Buch und Schrift" geändert. Die
Dauerausstellung umfasst 44 Räume und führt die Ausstellung aus
der Kuppelhalle in verringertem Umfang fort.
In der Zeitschrift des Deutschen Vereins für Buchwesen und
Schrifttum wird bis 1924 eine Vielzahl wissenschaftlicher
Aufsätze zur Buch- und Schriftgeschichte publiziert.
1917
Aus der grundlegenden Veränderung des Museums wird eine
organisatorische Konsequenz gezogen. Als neuer Trägerverein
wird am 15.12.1917 der Deutsche Verein für Buchwesen und
Schrifttum gegründet. Er soll sich vor allem der
wissenschaftlichen Nutzbarmachung des Museums widmen und die
ihm übergebenen Sammlungen weiterführen. Trotz der verheerenden
Kriegslage geht man davon aus, dass umfangreiche Kriegsanleihen
zahlreicher Stifter künftig eine solide wirtschaftliche
Grundlage für die Vereinsarbeit darstellen.
1916
Nach der Räumung der von den Militärbehörden beanspruchten
Kuppelhalle müssen die Museumsbestände magaziniert werden.
Fachbibliothek und Lesesaal werden provisorisch im
Buchhändlerhaus untergebracht.
1915
In der Kuppelhalle auf dem Ausstellungsgelände im Leipziger
Osten wird am 1.5.1915 eine wesentlich erweiterte, erstmals
nach der kulturgeschichtlichen Konzeption erarbeitete
Ausstellung des Museums eröffnet. Gezeigt werden u. a. ein
chinesisches Gelehrtenhaus, ein japanischer Buchladen,
Schaustücke aus dem islamischen und indischen Kulturkreis,
Material zur Geschichte der Schrift und der Beschreibstoffe aus
China und Japan sowie eine orientalische Sammlung.
Der Deutsche Buchgewerbeverein gründete eine Bibliothekar- und
Museumsbeamtenschule, die vom Museumsdirektor geleitet wird.
Die Einrichtung bereitet auf die Prüfung für den mittleren
Bibliotheksdienst vor und erbringt Einnahmen, die für die
Museumsarbeit bzw. die Besoldung der Mitarbeiter eingesetzt
werden.
1914
Dr. Albert Schramm wird zum wissenschaftlichen
Direktor der Bugra ernannt und arbeitet dabei eng mit dem
Leipziger Kulturhistoriker Prof. Karl Lamprecht (1856-1915)
zusammen, der die Leitung der kulturgeschichtlichen Abteilung
der Ausstellung übernommen hat. Das Museum erwirbt
umfangreiches Ausstellungsmaterial, vor allem aus der
kulturgeschichtlichen Abteilung.
Mit der Übernahme der Konzeption von Prof. Karl Lamprecht, Buch
und Schrift im kulturgeschichtlichen Zusammenhang
universalgeschichtlich darzustellen, ist endgültig der Rahmen
eines (Buch)Gewerbemuseums überschritten.
Durch den Ausbruch des Krieges schwindet die Hoffnung, aus
Einnahmeüberschüssen der Bugra ein eigenes Museumsgebäude
errichten zu können. Die Arbeit kommt fast zum Erliegen, weil
Mitarbeiter zum Militärdienst eingezogen werden. Das Kapital
des "Fonds zur Weiterführung der Sächsischen Bibliographischen
Sammlung" muss angegriffen werden, da die Zinserträge für die
notwendigen Aufwendungen und vor allem zur Finanzierung von
Neuerwerbungen nicht mehr ausreichen.
Mit Hilfe von Stiftungsmitteln Krupp von Bohlen und Halbachs
und aus der Wilhelm-und-Berta-von-Baensch-Stiftung kommen 334
Blätter in das Museum, die Ansgar Schoppmeyer (1875-1922) nach
mittelalterlichen Miniaturen für Studien- und Lehrzwecke
geschaffen hatte. Schoppmeyer hatte sich intensiv mit
mittelalterlicher Malerei und Schriftkunst beschäftigt und
kopierte mit den alten Techniken die Vorlagen aus den
bedeutendsten Handschriften europäischer Bibliotheken. Die
Begleichung der Kaufsumme zieht sich bis 1923 hin. Die Sammlung
ist Kriegsverlust, allerdings können nachträglich wieder 85
Arbeiten Schoppmeyers erworben werden.
Aus der Privatsammlung von Dr. Robert Forrer (1866-1947) wird
eine Kollektion von sog. Zeugdrucken erworben. Diese Beispiele
für mit Modeln bedruckte Stoffe seit dem 14. Jahrhundert werden
als Vorstufe des Buchdrucks für die Museumsarbeit verwendet.
Die Sammlung wurde 1945 beschlagnahmt und befindet sich seitdem
in der Russischen Staatsbibliothek in Moskau.
1913
Mit der Übernahme von Sammlungsobjekten und Fachliteratur
zur Schriftgeschichte und Stenografie vom Stenographischen
Landesamt in Dresden erweitert sich das Aufgabengebiet des
Museums wesentlich. Der historische Horizont reicht nun bis in
die Vorgeschichte der Menschheit zurück.
Mit Blick auf die Bugra und die spätere Nutzung im Museum
werden gezielt Mittel für Ankäufe von Originalen und für die
Anfertigung von Nachbildungen und Abgüssen eingeworben.
Der Museumsname wird geändert in "Deutsches Buchgewerbe- und
Schriftmuseum".
Für den druckgeschichtlichen Bestand können Materialien zur
Geschichte des Lichtdrucks aus dem Besitz von Joseph Albert
(1825-1886) erworben werden (Albert-Heller-Sammlung).
Dr. Albert Schramm (1880-1937) wird am 1.8.1913 Direktor des
Deutschen Buchgewerbe- und Schriftmuseums.
1911
Mit dem Ankauf einer Sammlung von 406 historischen
Bucheinbänden des Karlsbader Sammlers Karl David Becher kommen
vor allem hervorragende französische und englische Arbeiten des
17. und 18. Jahrhunderts, aber auch gute Anschauungsbeispiele
früherer Stilepochen und aus anderen Ländern in das Museum. Die
seit 1942 ausgelagerte Sammlung wurde 1945 beschlagnahmt und
befindet sich seitdem im Besitz der Russischen Staatsbibliothek
in Moskau.
Die Museumsarbeit konzentriert sich ab 1911 zunehmend auf die
Vorbereitung der 1914 in Leipzig geplanten Internationalen
Ausstellung für Buchgewerbe und Graphik (Bugra). Der
Museumsdirektor ist Mitglied des zu diesem Zwecke gegründeten
Vereins und übernimmt zunehmend koordinierende Aufgaben für
alle Ausstellungsbereiche.
1910
Der Wiener Hofrat Franz Bartsch (1836-1910) überlässt dem
Deutschen Buchgewerbeverein als Schenkung seine ca. 10.000
Blatt umfassende Papiersammlung, die neben europäischen
Erzeugnissen (Wasserzeichenpapiere, Buntpapiere) auch einen
Schwerpunkt chinesischer und vor allem japanischer Papiere
aufweist; während diese Sammlung den 2. Weltkrieg übersteht,
verbrennt die zugehörige Fachliteratur.
1909
Nachdem 1885 und 1897 ein Erwerb gescheitert war,
gelingt 1909 der Ankauf der buchgewerblichen Sammlung von Prof.
Dr. Hans von Weißenbach (1847-1912) aus Stiftungsmitteln. Die
Blattsammlungen des Museums werden um die lange vermisste
Vorbildersammlung für die original- und reprografischen
Techniken beachtlich bereichert. Weißenbach hatte während
seiner Tätigkeit am Germanischen Museum in Nürnberg von 1876
bis 1879 eine sehr umfangreiche Sammlung von Einzelblättern zur
Typografie, Buchillustration und -gestaltung sowie zu original-
und reprografischen Techniken von den Anfängen bis zur
Gegenwart begonnen. Er beabsichtigte bereits vor 1884 auf
dieser Grundlage ein Museum zu gründen. Die Sammlung gehört zu
den Kriegsverlusten.
1907
Das Museum erhält erstmals für seine Zwecke eine finanzielle
Beihilfe des Reichs.
1903
Im September 1903 nehmen der Museumsdirektor und der Vereinsvorsteher an der Mannheimer Konferenz zum Thema "Die Museen als Volksbildungsstätten" teil. Das Museum leiste mit der besonderen Förderung von Gehilfen des Buchgewerbes bereits einen Beitrag dazu.
1902
Der "Kulturverleger" Eugen Diederichs (1867-1930)
wird Mitglied der Museumskommission.
1901
Ernst Seegers (1840-1911) veräußert seine etwa 11.500 Muster
umfassende Buntpapiersammlung an den Deutschen
Buchgewerbeverein. Die Kollektion gibt einen breiten
Querschnitt vornehmlich der deutschen, französischen und
italienischen Buntpapiermacherei des 17. bis 19. Jahrhunderts
und umfasst alle wesentlichen handwerklichen und industriellen
Herstellungstechniken. Der Berliner Kommerzienrat Max Krause
konnte bei Mitgliedern des Papierindustrievereins und des
Vereins Deutscher Buntpapierfabrikanten mehr als 4.000 Mark für
den Ankauf einwerben.
Mit dem Amtsantritt von Dr. Ludwig Volkmann (1870-1947) als 1.
Vorsteher des Deutschen Buchgewerbevereins erfährt das Museum
eine erhebliche Aufwertung. Volkmann, Mitinhaber von Breitkopf
& Härtel, promovierter Kunsthistoriker und
schriftstellerisch tätig, ist in den folgenden Jahren bemüht,
gemeinsam mit Rudolf Kautzsch das Museum zu einem
wissenschaftlich arbeitenden Fachinstitut auszubauen. Er
verfolgt bis zu seinem Ausscheiden im Jahre 1930 hartnäckig den
Plan, dem Museum eigene Räume bzw. ein eigenes Gebäude zu
verschaffen.
Der Rat der Stadt Leipzig stellt aus Mitteln der Grassistiftung
20.000 Mark zur Erweiterung und Aufstellung der Sammlungen im
Buchgewerbehaus zur Verfügung.
1900
Im Deutschen Buchgewerbehaus an der Dolzstraße (heute
Gutenbergplatz) werden am 12.5.1900 die neuen Räume - Lese- und
Zeichensaal, Dauer- und Sonderaustellungsraum - eröffnet. Damit
erhält die museale Tätigkeit erstmals eine eigene Grundlage.
Mit der Propagierung der Buchkunstbewegung erreicht das Museum
überregionales Interesse. Spätestens 1908 wird der Raummangel
wieder spürbar, obwohl Ausstellungen in anderen Räumen möglich
gemacht und Dachgeschossräume zu Magazinen umgebaut werden.
Rund 500 Künstlerlithografien werden vom Museumsdirektor Dr.
Rudolf Kautzsch (1868-1945) gemeinsam mit dem Direktor des
Kunstgewerbemuseums für die Blattsammlungen ausgewählt. 1902
sind rund 3.500 Blätter originaler Druckgrafik vorhanden, zu
denen noch zahlreiche, z. T. hochwertige Reproduktionen kommen.
Sie sind Kriegsverlust.
1899
Mit dem Aufbau der Sammlung "Platten und Werkzeuge" sollen die
grafischen Verfahren des Text- und Bilddrucks bis zur Gegenwart
anschaulich dargestellt werden.
Gesammelt werden auch historische Druckerpressen und Maschinen.
Aus dieser "Historischen Maschinensammlung" gehen die späteren
Technischen Sammlungen hervor. Nur ein Bruchteil der Sammlungen
bleibt vor der Vernichtung im 2. Weltkrieg verschont.
1898
Das Leipziger Kunstgewerbemuseum, die Bibliothek der
Kunstakademie und Kunstgewerbeschule und das Buchgewerbemuseum
stimmen ihre Sammlungsgrundsätze aufeinander ab. Künftig soll
nur noch das Buchgewerbemuseum buchgewerbliche Objekte und
Vorbilder sammeln und ausstellen.
In den folgenden Jahren werden Bereiche wie Bucheinband und
Buntpapier ebenso wie Plakate und Akzidenzdruck bis zur Werbung
bewusst ausgebaut.
Am 1.12.1898 übernimmt Dr. Rudolf Kautzsch die Leitung als
Direktor des Deutschen Buchgewerbemuseums. Er ist gleichzeitig
Privatdozent an der Universität Leipzig.
1894
Die Errichtung eines eigenen Gebäudes im Anschluss an
das Buchhändlerhaus wird vom Centralverein für das gesamte
Buchgewerbe beschlossen.
1890
In einer neuen Denkschrift legt Carl B. Lorck Überlegungen zur
zukünftigen Entwicklung des Museums dar und regt den Bau eines
eigenen Gebäudes des Centralvereins an, in dem sich das Museum
besser entfalten kann.
1889
Aus Heinrich Klemms 1889 versteigertem Nachlass werden die
ersten Ergänzungen der Sächsischen Bibliographischen Sammlung,
vor allem Früh- und Erstdrucke aus dem niederländischen Bereich
sowie Fachliteratur, aus dem Fonds zu deren Fortführung
erworben.
1888
Das Museum wird am 29.4.1888 im Deutschen Buchhändlerhaus an
der Hospitalstraße (heute Prager Straße) inmitten des Leipziger
Graphischen Viertels neu eröffnet. Im Flügel am Gerichtsweg
wird durch Galerieeinbauten ein Raum für die Bestände des
Museums, für die Benutzung und Präsentation einiger Objekte
eingerichtet. Die Ausstellungsräume des Hauses können
mitbenutzt werden.
Dem Ausbau der Bestände und der Wirksamkeit durch Benutzung
des Lesesaals, Vorträge und Ausstellungen sind durch die
Eigeninteressen des Börsenvereins Grenzen gesetzt.
1887
Am 1.4.1887 wird Konrad Burger (1856-1912) als "Kustos des
Buchgewerbemuseums in Leipzig" eingestellt. Nach Vorgaben des
Vorstands und der Museumskommission soll er Lücken in den
Beständen der alten Drucke ebenso schließen wie nach einer
geeigneten Vorbildersammlung für die gewerblich-technischen
Belange suchen bzw. einen eigenen Bestand aufbauen.
1886
Im Mai 1886 stimmen die sächsischen Landstände dem
Kauf der Sammlung von Inkunabeln und alten Drucken
(Bibliographisches Museum) des Dresdner Verlagsbuchhändlers,
Fachschriftstellers und Redakteurs Heinrich Klemm (1819-1886)
aus Mitteln der Gewerbeförderung für das Leipziger Museum zu.
Darunter befindet sich als kostbarstes Objekt ein
Pergamentexemplar der Gutenberg-Bibel mit zahlreichen
Miniaturen und reichem Buchschmuck. Ein Vertrag über die
Nutzung der Sammlung wird am 2.6.1886 unterzeichnet. 50.000
Mark stiftet Klemm als Fonds zur Fortführung der Sammlung.
Aus der aktuellen Buchproduktion wird eine Vorbildersammlung
aus Stiftungen der an den regelmäßigen Ausstellungen des
Börsenvereins beteiligten Verleger begonnen. Sie umfasst 1886
bereits über 2.000 Bücher und wird kontinuierlich vor allem mit
Stiftungen aus den Jahresausstellungen des Börsenvereins
ausgebaut.
1885
Die erste Ausstellung des Museums im großen Saal der Buchhändlerbörse in der Ritterstraße wird am 12.7.1885 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Gezeigt werden Handschriften, alte Drucke und frühe Lithografien als Leihgaben aus drei privaten Sammlungen - aus dem "Bibliographischen Museum" Heinrich Klemms, der Apelschen Bibliothek in Ermlitz, der Firma F. A. Brockhaus - und erste eigene Erwerbungen. Der Raum wird jeweils für die Kantateversammlungen des Börsenvereins für 14 Tage geräumt, ansonsten ist die Ausstellung öffentlich zugänglich.
1884
Die Errichtung eines Museums "ersten Ranges" für das
Buchgewerbe fordert eine von Carl B. Lorck (1814-1905) im
Auftrage des Kreises Sachsen des Deutschen Buchdruckervereins,
des Vereins Leipziger Buchdruckereibesitzer und der
Typographischen Gesellschaft in Leipzig verfasste Denkschrift
"Die Zukunft des Buchgewerbes in Leipzig". Im April intern den
sächsischen Behörden vorgelegt, wird sie im Juli des Jahres in
überarbeiteter Form publiziert.
Im Mai beschließt die Hauptversammlung des Börsenvereins der
Deutschen Buchhändler zu Leipzig, in seinem geplanten neuen
Deutschen Buchhändlerhaus ein Buchgewerbemuseum aufzunehmen.
Am 29.10.1884 gründen rund 80 Leipziger Unternehmer der
Buchbranche und Persönlichkeiten des kulturellen Lebens den
Centralverein für das gesamte Buchgewerbe, der die Vorgaben der
Denkschrift umsetzen will. Den Vorsitz übernimmt Dr. Oskar von
Hase (1846-1921), der bereits für den Buchdruckerverein an der
Spitze der Reformforderungen gestanden hatte. Eine
Museumskommission unter dem Vorsitz von Gustav Wustmann
(1844-1910), dem Oberbibliothekar der Leipziger
Stadtbibliothek, wird eingesetzt.